Thema IIa: Neue Entwicklungen in der Behandlung der Varikose

Moderator: Prof. Dr. med. Eberhard Rabe, Bonn

Akute und chronische Venenkrankheiten gehören zu den häufigsten Problemen in der deutschen Bevölkerung. Nach Auskunft des statistischen Bundesamtes entstanden im Jahr 2002 Krankheitskosten für Krankheiten der Venen, der Lymphgefäße und Lymphknoten in Höhe von 2,723 Milliarden Euro. Der Hauptteil davon entfällt auf die Altersgruppe der 45 - 85 jährigen.

Im Jahr 2002 wurden 167.240 Patienten und Patientinnen aus einer stationären Krankenhausbehandlung mit der Diagnose "Varikose der unteren Extremitäten" entlassen. Bei der überwiegenden Mehrzahl dieser Patienten wurde eine Krampfaderoperation durchgeführt. Etwa die gleiche Anzahl wurde ambulant operiert.

Aus der Bonner Venenstudie 2003 geht hervor, dass über 20 % der erwachsenen Durchschnittsbevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren an einer Varikose leiden.

Neben konservativen Maßnahmen wie der Bewegungstherapie und der Kompressionsbehandlung mit Kompressionsverbänden oder medizinischen Kompressionsstrümpfen war die Krampfaderoperation mit Krossektomie und Stripping des insuffizienten Venenanteils in der Vergangenheit die einzige Standardmethode zur Entfernung und Ausschaltung insuffizienter Stammvenen. Die Verödungstherapie mit flüssigen Verödungsmitteln spielte für diese Indikation zumindest in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle und wurde vorwiegend für intradermale und Seitenastvarizen eingesetzt.

In den letzten Jahren hat sich diese Situation deutlich geändert. Zum einen hat die Sklerosierungstherapie durch die Einführung der Behandlung mit aufgeschäumten Verödungsmitteln auch bei großen Varizen eine deutlich bessere Wirksamkeit bei gleichbleibend niedrigem Risikoprofil erreichen können. Die ersten Studien zur Schaumsklerosierung von großen Seitenästen und Stammvarizen sind vielversprechend. Zum anderen hat die Entwicklung endovenöser kathetergestützter Therapieverfahren eine Diskussion um die Notwendigkeit der Krossektomie in Gang gesetzt. Die Methoden um die es hier geht, sind die endvenöse Radiowellentherapie und die endovenöse Lasertherapie der Stammvarikose. Mit beiden Methoden wird die Vene von innen erhitzt und zum Verschluss gebracht. Bei beiden Methoden bleibt in der Regel aber auch ein kleiner Stumpf im Mündungsbereich der Stammvene bestehen, bei der Vena saphena magna meist mit einer intakten Vena epigastrica superficialis. Die 1-Jahres / 2-Jahres und 3-Jahres-Kontrollergebnisse nach diesen Eingriffen zeigen eine mit der Operation vergleichbare niedrige Rezidivrate. Insgesamt zeichnen sich die neuen Methoden durch eine geringere Invasivität des Eingriffs und exzellente kosmetische Ergebnisse aus. Allen drei Methoden ist aber auch gemeinsam, dass Langzeitergebnisse und kontrollierte prospektiv randomisierte Vergleichsuntersuchungen zur Operation nur in Ausnahmefällen und für wenige Aspekte der Methode vorliegen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die neuen Therapieverfahren in der Behandlung der Stammvarikose das Therapiespektrum deutlich bereichert haben und vielversprechende erste Ergebnisse zeigen. Es ist zu erwarten, dass sie in der Zukunft ein Teil des in Deutschland etablierten Therapiespektrums für Krampfaderpatienten sein werden. In anderen Ländern wie den USA ist dies bereits der Fall. Im Einzelfall muss die für den Patienten am besten geeignete Methode gefunden werden. Zur Beurteilung des Stellenwertes der einzelnen Methoden untereinander sind prospektiv randomisierte Vergleichsstudien wünschenswert.