Thema IVb: Therapie der akuten Gastroenteritis im Säuglings- und Kleinkindesalter

Moderator: Prof. Dr. med. K.-P. Zimmer, Münster

Die Fortbildung zur akuten Gastroenteritis (Brechdurchfall) fasst Hintergründe und Details zur Behandlung der akuten Gastroenteritis mit den Besonderheiten dieser Erkrankung in der Altersgruppe von Säuglingen und Kleinkindern entsprechend internationalem Expertenwissen zusammen.

In der Welt sterben pro Jahr etwa 2,2 Mill. Menschen an Durchfallserkrankungen (davon etwa 1 % in Europa). In Deutschland erkranken etwa 2 Mill. Menschen jährlich an akuter Gastroenteritis; davon sind gut 30 % Kinder bis zum 5. Lebensjahr betroffen. Die häufigsten Erreger befallen gerade diese Altersgruppe entweder zu annähernd 90 % (Rotavirus, E. coli, Yersinien) oder zu etwa 10 % (Salmonellen, Norovirus, Campylobacter, Lamblien) der Fälle. Fast 3&qnbsp;% aller Kinder bis zum 5. Lebensjahr werden wegen akuter Gastroenteritis stationär behandelt.

Die international geltenden Empfehlungen zur Behandlung dieser Erkrankung werden unzureichend in Deutschland umgesetzt. Leider gibt es zu diesem Thema in Deutschland - ebenso wie zu anderen Themen der Kinder- und Jugendmedizin - keine qualitätssicherende Erhebung gemäß § 137 SGB V. In anderen Ländern haben Studien gezeigt, dass die Empfehlungen der europäischen und nordamerikanischen Kinder-Gastroenterologen wenig bekannt sind. Und dies, obwohl die Empfehlungen höchsten Evidenzgrad besitzen. In Österreich wurden diese von nicht-pädiatrische Ärzten noch weniger als von Kinderärzten übernommen.

Die Empfehlungen der europäischen Kinder-Gastroenterologen basieren auf neuen Erkenntnissen zur Pathophysiologie der akuten Gastroenteritis. Unser Wissen über die Infektionserreger, die Physiologie der Darmschleimhaut mit ihren Substrat- bzw. Elektrolyttransportern als auch die Besonderheiten des kindlichen Flüssigkeits-, Basen- und Stoffwechselhaushaltes hat nicht nur die Zusammensetzung der Rehydrationslösungen optimiert sondern auch das gesamte Behandlungskonzept revolutioniert. Bei der Diagnostik der akuten Gastroenteritis stehen weniger Laboruntersuchungen und die Normalisierung der Stuhlkonsistenz im Vordergrund als die (engmaschige) klinische Verlaufsbeurteilung von körperlichem Befund (Dehydrationsgrad), Allgemeinbefinden und Komorbidität. Bei der Therapie erfordert die konsequente "orale Rehydration" pädiatrisches Wissen und Geschick. Sie ist der intravenösen Therapie bzgl. Nebenwirkungen, Aufwand und Heilungserfolg weit überlegen. Begriffe bzw. Praktiken wie "Teepause", "Heilnahrung" oder die Gabe von Cola werden trotz ihrer Risiken leider noch allzu oft im klinischen Alltag angewandt. Mit der "Realimentation" muß bereits 3 Stunden nach der Rehydration begonnen werden. Die Wirkung von Medikamenten zur Behandlung des akuten Brechdurchfalls wird eher überschätzt und ist nicht Bestandteil der Behandlungsrichtlinien.