Bernhard Uehleke: Phytotherapie und ausleitende Verfahren

Bernhard Uehleke, Berlin

Phytotherapie stellt nach Arzneimittelgesetz und Sozialgesetzbuch in Deutschland eine "besondere Therapierichtung" dar. Von führenden Vertretern der Phytotherapie wird hingegen oft der Anspruch erhoben, dass Phytotherapie Bestandteil der modernen Schulmedizin sei. Die Besonderheit der Phytotherapie wird anhand etwaiger dogmatischer Voraussetzungen bzw. Grundannahmen nach der Wissenschaftstheorie von Fleck und Kuhn diskutiert. Auch eine moderne "rationale" Phytotherapie ist nicht frei von solchen Grundannahmen und von daraus folgendem Pragmatismus, wenn auch keine Widersprüche zur modernen Wissenschaft bestehen, wie dies z. B. bei der Homöopathie der Fall ist. Sicherheit und Wirksamkeit der in Deutschland üblichen Phytotherapie unterscheidet sich wesentlich von der Heilpflanzenanwendung anderer traditioneller Medizinsysteme, wie z. B. der Traditionellen Chinesischen Medizin oder der Ayurveda. Dennoch lohnt sich der Rückblick auf die medizinhistorische Entwicklung unserer Phytotherapie im Kontext einer Traditionellen Europäischen Medizin und der Klostermedizin. damals wurden die Heilpflanzen nach ihren humoralpathologischen Wirkungen eingeteilt. Heilpflanzen mit ausleitender Wirkung könnten zukünftig wieder eine größere Rolle spielen. In der Naturheilkunde spielen ausleitende Heilpflanzen und andere ausleitende Verfahren eine wichtige Rolle; es gibt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten des Wirkmechanismus (Stoffwechselanregungen, reflektorische Wirkungen) und bei einigen Verfahren (Blutegel, blutiges Schröpfen) sogar eine erstaunlich gute Evidenz der klinischen Wirksamkeit.