Gerd Plewig: Chlorakne: Unheimliche Gifte, auch heute noch unter uns

Gerd Plewig, München

Chlorakne entsteht durch Exposition mit halogenierten Kohlenwasserstoffen. Die am besten bekannte Substanz ist 2-, 3-, 7-, 8-Tetrachlorodibenzo-p-dioxin (TCDD). Das im Fettgewebe akkumulierende TCDD wird kaum in den Stoffwechsel einbezogen. Daher verläuft die Erkrankung oft über Jahrzehnte, gelegentlich ein Leben lang. Chlorakne ist eines der typischen Zeichen dieser gelegentlich tödlich verlaufenden Erkrankung. Die Hautveränderungen reichen von wenigen Komedonen bis zu sehr schweren Zeichen einer Akne mit Veränderungen am gesamten Integument unter Aussparung lediglich von Handflächen und Fußsohlen, wo sich keine Haarfollikel finden. Charakteristisch sind Komedonen, die zunächst mikroskopisch klein als follikuläre Hyperkeratosen beginnen und dann in ausgedehnte Abszesse und Fistelgänge übergehen können. Auch viele innere Organe sind betroffen.

Die Chlorakne verlief früher als Industriekatastrophe, so bei der BASF in Ludwigshafen und in Seveso in Italien, oder über unabsichtlich verunreinigte Lebensmittel (Taiwan und Japan). Immer wieder tauchen Einzelfälle schwerer Chlorakne auf wie zuletzt in Wien und in der Ukraine, wobei entweder der Kontaminationsweg nicht geklärt oder eine kriminelle Absicht anzunehmen ist.

Als therapeutische Maßnahmen werden in der Frühphase die Ausscheidung über den Darm mit Olestra und sonst alle in der Aknetherapie üblichen Therapiemaßnahmen empfohlen.