Klaus Degitz: Akne-Therapie: Ja, aber bitte nicht so

Akne-Therapie: Ja, aber bitte nicht so

Klaus Degitz, München

Nach heutiger Auffassung wirken bei der Akne mehrere pathogenetische Faktoren zusammen: Seborrhoe, follikuläre Hyperkeratose (Komedonen), mikrobielle Wucherung (Propionibakterien) und Entzündung. Der modernen Aknetherapie stehen evidenzbasierte pharmakologische Substanzen zur Verfügung, die an diesen pathogenetischen Faktoren angreifen. So wirken systemische Retinoide und die nur bei Frauen einsetzbaren systemischen Antiandrogene sebostatisch, topische Retinoide und Azelainsäure antikomedogen und Benzoylperoxid und Antibiotika antimikrobiell. Bei sachgerechter Kombination, Dosierung und Anwendungsdauer lassen sich selbst bei schweren Verläufen der Erkrankung innerhalb weniger Monate gute therapeutische Erfolge erzielen. Im Gegenzug muss unterlassen werden, was dem Behandlungserfolg abträglich ist. Hierzu zählen unzureichende Dosierung und zu kurze Behandlung. Antibiotika sollten systemisch und topisch nie allein eingesetzt werden, da dies Antibiotikaresistenzen fördert, wodurch die therapeutischen Möglichkeiten langfristig eingeschränkt werden. Eine Reihe älterer therapeutischer Prinzipien kann nicht mehr empfohlen werden, da keine den heutigen Kriterien entsprechende kontrollierte Studien vorliegen. Hierzu zählen Schwefel, Schieferöl oder Hefeextrakte. Schließlich wird von der Therapie mit UV-Strahlung abgeraten, weil hierbei neben einer mittelfristig komedogenen Wirkung ein ungerechtfertigtes karzinogenes Risiko in Kauf genommen wird