Thomas Lichte: Die Akutbehandlung des apoplektischen Insults und des Myokardinfarkts - aus hausärztlicher Sicht

Thomas Lichte, Lauenbrück

Ist es wie im Film: Schmerzen in der Brust, der Betroffene fasst sich an den Arm, Schwitzen, Kollaps, Tod! Ist dies im Alltag so? – Bei Mann und Frau, bei alt und jung? Und beim Schlaganfall eine ähnliche Problemfolge? Hängender Mundwinkel, Schwäche im Bein auf einer Seite, Bewusstlosigkeit!? Der Hausarzt wird gerufen, erscheint mit seiner ledernen Arzttasche und ...

Wie ist die Wirklichkeit? Das akute Ereignis trifft die meisten fast aus heiterem Himmel! Der Ruf nach schneller Hilfe wird deutschlandweit nahezu flächendeckend durch Notarztwagen beantwortet. Die Versorgungslandschaft zeigt je nach Bevölkerungsdichte sicherlich Unterschiede. In der Stadt ist der Rettungsdienst meistens unmittelbar gefragt, auf dem Land existiert oft eher eine hausarztgestützte Rettungskette.

Nach stationärer Aufnahme wird über die Notfallaufnahme die klinische Versorgung koordiniert. Die Aspekte von Geschlecht und Alter finden zunehmend Berücksichtigung.

Bei dieser Fortbildung sollen neben Updates zur klassischen Versorgung mögliche Unterschiede bei Geschlecht bzw. Alter deutlich beleuchtet werden. Nach einer fast metaanalytischen Einführung in die Thematik durch einen Hausarzt wird die Rolle der basisnah tätigen Ärzte genauer vorgestellt.

Die erste und provokante Frage: Brauchen wir die Hausärzte überhaupt noch? Es läuft doch alles viel schneller über den Notruf "112". Das therapeutische Zeitfenster wird hier ebenfalls besser erreicht. Tatsächlich spielt bezogen auf das klassische akute Ereignis – Herzinfarkt oder Schlaganfall – mit den jeweiligen typischen Leitsymptomen die hausärztliche Versorgung quantitativ eine eher untergeordnete Rolle. Der Hausarzt hat jedoch eine wichtige Schnittstellenfunktion hin zur notärztlichen und klinischen Versorgung.

Eine überaus wichtige Funktion nimmt der Hausarzt dann in der Langzeitversorgung und -betreuung der Patienten nach einem Herzinfarkt/Schlaganfall ein. Neben der erlebten Anamnese des betreuten Menschen können Aspekte von Familie und Umfeld sowie spezifische Ressourcen durch den Hausarzt am besten berücksichtigt werden. Eine Herausforderung sind die sich ständig ändernden Risikokonstellation bei den Patienten. Schon sehr kleine Änderungen in Befinden und Befund können eine klinische Versorgung notwendig machen, mit nicht selten dann in der Klinik besser zu therapierenden "frühen" Krankheitszuständen. Hausärzte bewerten bestehende Risiken unter dem Aspekt des "Abwendbar gefährlichen Verlaufs"!

Betreute Menschen werden durch die kontinuierliche hausärztliche Versorgung auf Risiken und Frühsymptome unter präventiven Gesichtspunkten hin sensibilisiert.

Im Zusammenspiel der "Leistungserbringer" wird die Prognose der häufigsten Volkskrankheiten mit ihren gelegentlich schwer verlaufenden Folgeerkrankungen am günstigsten beeinflusst: Für einen bei optimaler Hilfestellung durch den Hausarzt mit seinen Problemen engagiert umgehenden, betroffenen Menschen!