Helmut Madjar: Stellenwert des Ultraschalls und der interventionellen Diagnostik

Helmut Madjar, Wiesbaden

Die physikalischen Eigenschaften des Schalls erlauben eine sehr gute Beurteilung von unterschiedlichen Weichteilprozessen, was die Tumordifferenzierung insbesondere bei mammographisch dichtem Brustgewebe verbessert. Dies erhöht in der komplementären Brustdiagnostik die Sensitivität und die Spezifität. Dadurch wird die Zahl unnötig durchgeführter Operationen bei gutartigen Prozessen reduziert, die mammographisch oder klinisch unklar sind. Auch die Zahl verschleppter Karzinomdiagnosen bei klinisch und mammographisch unauffälligen Patientinnen wird vermindert. Zusätzlich verbessert die Sonographie die Operationsplanung durch Ermittlung der Tumorgröße, multifokaler Herde und Bestimmung des Haut-, Muskel- und Mamillenabstandes. In der Krebsvorsorge bei menopausalen Frauen ist weiterhin die Mammographie die Methode der Wahl. Die sonographische Tumorentdeckung zeigt Vorteile bei Frauen mit dichtem Parenchym, allerdings kann man noch nicht von einer flächendeckenden qualitätsgesicherten Versorgung der Bevölkerung ausgehen. Die interventionelle Diagnostik ist immer dann einzusetzen, wenn die Bildgebung unklare oder karzinomverdächtige Befunde zeigt. Bei ausschließlich mammographisch detektierbaren Befunden kommt nur die stereotaktische Abklärung in Frage, bei sonographischem Korrelat sollte die Punktion unter Ultraschallsicht durchgeführt werden. Nur in Ausnahmen sollte zu einer diagnostischen Abklärung heute noch die offene operative Probeexzision durchgeführt werden.