Christian Trautwein, Hermann Wasmuth: Therapie und Prävention der Hepatitis B

Christian Trautwein, Aachen
Hermann Wasmuth, Aachen

In den letzten Jahren konnten neue Therapiestrategien der chronischen Hepatitis B Virus (HBV) Infektion entwickelt und in die klinische Praxis eingeführt werden. Die unterschiedlichen Behandlungsoptionen haben zu einer deutlichen "Individualisierung" der Therapie geführt. Die Indikationsstellung und Auswahl der geeigneten antiviralen Therapie richtet sich nach patientenspezifischen klinischen, biochemischen, virologischen und eventuell histologischen Befunden. Bei Nachweis definierter positiver Prognosefaktoren (niedrige Viruslast, hohe Transaminasen, kurze Infektionsdauer etc.) sollte eine Therapie mit Interferon-alpha eingeleitet werden, die heute meistens mit pegyliertem Interferon-alpha durchgeführt wird. Unter diesem Therapieregime kommt es zu relativ hohen biochemischen und virologischen Ansprechraten. Alternativ können momentan die oralen Nukleos(t)idanaloga Lamivudin, Adefovir oder Entecavir eingesetzt werden. Unter Lamivudin besteht ein erhöhtes Risiko zur Selektion resistenter Virusstämme, die besonders nach mehrjähriger Therapie ein großes klinisches Problem darstellen. Adefovir und Entecavir zeigen insgesamt ein günstigeres Resistenzprofil, allerdings kommt es auch hier nach Resistenzentwicklung häufig zu einer Reaktivierung der Infektion. Weiterhin sind zum jetzigen Zeitpunkt die Kriterien zur Beendigung einer Therapie mit Nukleos(t)idanaloga noch nicht ausreichend definiert. Nicht zuletzt aufgrund der nicht optimierten Therapiemöglichkeiten, stellt die Prävention der HBV-Infektion somit ein wichtiges klinisches Ziel dar. Im Gegensatz zur Hepatitis C, steht bei der Hepatitis B eine effektive und sichere Vakzinierung zur Verfügung. Diese sollte nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen bei allen Säuglingen und Kindern in Deutschland durchgeführt werden. Sie verleiht bei immunkompetenten Personen in über 95 % der Fälle einen sicheren Infektionsschutz über mindestens 10 Jahre.