31. Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin"

Andreas Heinz: Neurobiologische Grundlagen der Suchterkrankungen,

Prof. Dr. med. Andreas Heinz, Berlin

Zu den Symptomen einer Abhängigkeitserkrankung gehören eine Toleranzentwicklung gegenüber den Substanzwirkungen, Entzugssymptomatik, ein starkes Verlangen nach der Substanz, eine verminderte Kontrolle über den Substanzkonsums und die schädlichen Folgen des Konsums. Bildgebende Studien und Studien im Tiermodell unterstützen die Hypothese, dass die Ausbildung von Toleranz als homöostatischer Anpassungsprozess an die Wirkung der Droge verstanden werden kann. Beim plötzlichen Entzug der Droge kommt es dann zu einem Verlust der Homöostase, der sich als Entzugssymptomatik zeigt. Die Sensitivierung ist ein der Toleranzentwicklung entgegen gesetzter Prozess und beschreibt eine Zunahme der Wirksamkeit einer Substanz bei gleicher Dosierung. Befunde bildgebender Untersuchungen verweisen hier wie bei der Ausbildung des Drogenverlangens auf neuroadaptive Vorgänge im hirneigenen Belohnungssystem. Zu den schädlichen Folgen des Drogenkonsums zählen die neurotoxischen Wirkungen im ZNS. Tierexperimente, genetische und bildgebende Studien geben zudem Hinweise auf Vulnerabilitätsfaktoren, die zur Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung disponieren.