31. Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin"

Klaus Junghanns: Psychotherapie der Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit

PD Dr. med. MA Klaus Junghanns, Lübeck

Es gibt eine Vielzahl an Psychotherapieangeboten speziell für Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit. Dabei ist es für Deutschland spezifisch, dass dieses Angebot von verschiedenen Kostenträgern (Krankenkassen, Rentenversicherungs- und Sozialleistungsträgern) und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten (v. a. SGB V, VI und IX) finanziert wird. Die Angebote sind in der Regel multimodal und werden in einem multidisziplinären Setting angeboten. Die Abstinenzraten liegen nach einem Jahr bei den intensivsten Maßnahmen bei ca. 50 %, wobei verschiedene soziodemographische Einflüsse die psychotherapeutischen Maßnahmen überdecken dürften.

Der Vielzahl an Behandlungsmodulen steht in Deutschland nur eine geringe Anzahl an wissenschaftlich hochwertigen Therapiestudien gegenüber. Die vorwiegend aus den USA stammenden Metaanalysen von einzelnen Therapie-Modulen sind auf Deutschland nicht einfach übertragbar, legen jedoch nahe, dass künftig als erfolgreich nachgewiesene Therapieelemente wie motivationale Gesprächsführung, Community Reinforcement Approach und Soziales Kompetenztraining in die hiesige Therapie verstärkt eingeführt und auf ihre Wirksamkeit in einem multimodalen Setting untersucht werden sollten. Ein weiteres Problem stellt die Multimorbidität vieler Abhängiger dar, was am Beispiel von Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), Schizophrenie und einzelnen Persönlichkeitsstörungen kurz skizziert werden soll.