31. Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin"

Martin Wabitsch: Therapie der Adipositas – Spezielle Aspekte bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas

Prof. Dr. Martin Wabitsch, Ulm

Adipositas im Kindes- und Jugendalter geht mit einer erheblich geminderten Lebensqualität (gestörtes Selbstbild, vermindertes Selbstvertrauen und soziale Diskriminierung) einher. Zudem bestehen bereits in diesem Zeitabschnitt typische Folgeerkrankungen (metabolisches Syndrom, gestörte Glukosetoleranz, Gallensteine, orthopädische Erkrankungen u. a.). Kinder und Jugendliche mit Adipositas sollten gemäß den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (www.a-g-a.de) untersucht werden. Die Untersuchung und die weitere Betreuung sollte durch einen Kinder- und Jugendarzt oder einen Allgemeinmediziner durchgeführt werden. Die bis dato wenigen evaluierten therapeutischen Maßnahmen sind bei der Mehrzahl der Patienten erfolglos. Es gibt jedoch eine Minderheit an Patienten, die durch ein langfristiges interdisziplinäres Schulungsprogramm erfolgreich behandelt werden können.

Die Lösung des zunehmenden Problems der Adipositas im Kindes- und Jugendalter könnte in umfassenden Maßnahmen zur Primärprävention liegen. Dabei sind alle Ärzte aber auch die Eltern, Lehrer, Vertreter der Kommunen, der Medien und der Nahrungsmittelindustrie sowie Politiker aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten. Dadurch sollen die Lebensbedingungen der Kinder in unserem Land verbessert werden und ein gesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten ermöglicht werden.

Für die mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen nicht behandelbaren Patienten ist u. U. eine frühzeitige medikamentöse Therapie der Adipositas bzw. ihrer Folgeerkrankungen notwendig um die Gewichtsentwicklung zu bremsen und Endorganschäden zu vermeiden.