31. Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin"

Kuno Weise: Chancen und Risiken der Behandlung osteoporose-assoziierter Frakturen bei Patienten im höheren Lebensalter

Univ.-Prof. Dr. med. Kuno Weise, Tübingen

Mit Osteoporose vergesellschaftete Frakturen sind aufgrund ihrer zunehmenden Inzidenz einerseits von immenser volkswirtschaftlicher Bedeutung, andererseits stellen sie aufgrund der eingeschränkten Knochenqualität und im Hinblick auf die nachteiligen Voraussetzungen der betroffenen Patientenkollektive eine besondere Herausforderung für den Chirurgen bezüglich einer suffizienten Versorgung dar. Zahlreiche Statistiken weisen nach, dass das Lebenszeitrisiko für das Erleiden einer knöchernen Verletzung bei Osteoporose für Frauen bei 50 %, für Männer bei 30 % anzusiedeln ist. Die Prädilektionsstellen osteoporose-assoziierter Frakturen sind der proximale Humerus und der distale Radius, an der unteren Extremität konzentriert sich die Mehrzahl der Frakturen auf das coxale Femurende. Für hüftgelenksnahe Oberschenkelfrakturen liegt das Risiko beim weiblichen Geschlecht bei ca. 23 %, bei Männern bei ca. 11 %. Die Kosten einer derartigen Verletzung belaufen sich alleine im ersten Jahr nach der Versorgung auf ca. 25.000 Euro, Pflegeheimaufenthalte und Aufwendungen aus der Pflegeversicherung nicht eingerechnet.

Auch am übrigen Skelett sind osteoporose-assoziierte Frakturen nicht selten, wobei deren Stabilisierung mit herkömmlichen Osteosyntheseverfahren in Folge der herabgesetzten Knochenqualität an ihre Grenzen stößt. Deswegen sind insbesondere die modernen winkelstabilen Implantate dazu geeignet, für den Zeitraum bis zur abgeschlossenen Bruchheilung ausreichende Stabilisierung zu gewähren.

Angesichts dieser Zahlen wird einsichtig, dass gerade in der momentan laufenden Bone and Joint Decade die Prävention, z. B. durch altersentsprechende körperliche Aktivitäten oder passive Sicherheitsvorkehrungen wie Hüftprotektoren, zum anderen eine zeitnahe und belastungsstabile Versorgung wesentliche Voraussetzung für eine wirksame Kostenreduktion darstellen. Anhand moderner Behandlungsstrategien bei häufig vorkommenden osteoporose-assoziierten Frakturen werden die Besonderheiten der Implantate bzw. die Techniken der aktuellen Osteosynthesen dargestellt.