Qualität der Tumorschmerzen in Deutschland – gibt es immer noch Nachholbedarf?

Prof. Dr. med. Eberhard Klaschik, Bonn

- Fazit -

Es besteht ein großer Bedarf an Palliativversorgung, der in den nächsten Jahrzehnten noch zunehmen wird. Trotz der erfreulichen und dynamischen Entwicklung der Palliativmedizin werden die Deckung und die finanzielle Absicherung dieses Bedarfs große Herausforderungen an unser Gesundheitssystem stellen. Durch die Schaffung der Zusatzbezeichnung "Palliativmedizin" und die Integration der Palliativmedizin in die Weiterbildung der Gebietsärzte wurden bessere Voraussetzungen geschaffen, Patienten und Angehörigen für den gesamten Krankheitsverlauf einer lebensbedrohlichen Erkrankung von der Diagnosestellung bis zum Tod und in der Angehörigenbegleitung darüber hinaus, palliativmedizinische Kompetenz anbieten zu können. Neben dem Aufbau spezialisierter Einrichtungen müssen die Grundprinzipien und Grundlagen der Palliativmedizin in die Lehrpläne für die studentische Ausbildung und in die Weiterbildungsordnungen aller klinischen Bereiche, in denen schwerstkranke und sterbende Patienten behandelt werden, aufgenommen werden. Nur so kann Palliativmedizin in der Breite angeboten werden. Palliativmedizin ist Hochleistungsmedizin und die Teammitglieder sind Spezialisten mit hoher fachlicher Expertise.

Effiziente Schmerztherapie und Symptomkontrolle sowie die Auseinandersetzung mit ethischen Entscheidungen am Lebensende können der Angst vor

<st1:place w:st="on">Leiden</st1:place> am Lebensende entgegenwirken. Diese Angst und der uneingeschränkte Wunsch nach Selbstbestimmung sowie die Entwicklung in einigen europäischen Nachbarländern haben zu einer Intensivierung der Diskussion um eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Deutschland geführt. Einer solchen Legalisierung setzt sich die Palliativmedizin als Alternative entgegen.

Palliativmedizin vereinigt fachliche und soziale Kompetenz der Behandelnden und Begleitenden in einem Umfeld, das intensive menschliche Zuwendung zulässt und von einer Haltung des Respekts vor der Würde des Menschen gekennzeichnet ist.

Aufgabe und Ziel der Palliativmedizin ist es, die individuelle notwendige Unterstützung anzubieten, damit der Patient die bestmögliche Lebensqualität in seiner, ihm verbleibenden Lebenszeit erreichen kann. Dies wird ermöglicht durch die Kooperation kompetenter, palliativmedizinischer und hospizlicher Einrichtungen mit Hausärzten, Sozial- und Krankenhausstationen, sodass eine optimale Behandlung rund um die Uhr überall dort gesichert werden kann, wo diese Patienten betreut werden. Der Patient soll selbst entscheiden können, ob er zu Hause oder in einer stationären Einrichtung versorgt werden will.