Prophylaxe von Tumorschmerzen

Dr. med. Martin Gleim, Kiel

In den letzten 3 Jahrzehnten hat die durchschnittliche Überlebensdauer nach Diagnose und Therapie einer Krebserkrankung stetig zugenommen. Die Folge ist eine wachsende Zahl von Menschen, die mit Krebs leben bzw. die Krebserkrankung überlebt haben. Die Tumorschmerztherapie am Ende des Lebens kann nach klar definierten und in langjähriger Praxis bewährten und wissenschaftlich evaluierten Algorithmen (sog. WHO-Stufenschema) erfolgen. Für Patienten, die jahrelang mit Schmerzen nach einer Krebserkrankung leben, beginnt die Grenze zwischen Tumorschmerz und chronischem Schmerz zu schwinden, hier werden die speziellen Therapiestrategien für chronische Schmerzen benötigt (multidisziplinärer Ansatz, Physiotherapie, Psychotherapie, ...). Nebenwirkungen von Analgetika haben bei Patienten mit "chronischen" Tumor­schmerzen eine stärkere Gewichtung und ihr Einsatz ist dadurch häufiger limitiert als in der Endphase der Erkrankung. Wenn die Tumorerkrankung zu einer chronischen Schmerzerkrankung werden kann, sollte der Vermeidung von späteren Schmerzen ein besonderes Augenmerk gelten. Neben schonendem operativen Vorgehen z. B. bei Mamma- oder Oropharynxchirurgie können entsprechende Protokolle für Chemotherapie oder Bestrahlung die Gefahr späterer Schmerzen reduzieren. Bei Patienten mit Knochenmetastasen können durch die prophylaktische Gabe von Bisphosphonaten die zukünftigen Schmerzen signifikant gelindert werden. Sympathikusneurolysen sorgen bei entsprechender Schmerzlokalisation später für weniger Schmerzen und geringeren Analgetikabedarf. Eine sorgfältige Schmerz­analyse ist Grundlage einer differenzierten Schmerztherapie und kann eine nicht indizierte hochdosierte Opioidtherapie mit potentiell schmerzhaften Nebenwirkungen durch Obstipation oder opioidinduzierte Hyperalgesie vermeiden.