Schwangerschaften bei Heranwachsenden – Ursachen und Möglichkeiten ärztlicher Prävention

Dr. med. Gisela Gille, Lüneburg

Die Zahl der minderjährigen Mütter ist seit 1996 bis 2001 kontinuierlich gestiegen. Parallel dazu stieg die Zahl derjenigen Mädchen und jungen Frauen unter 18 Jahren, die ihr Kind haben abtreiben lassen, von 4724 auf 7605. Die Zahl der statistisch erfassten Schwangerschaftsabbrüche bei Minderjährigen ist allein im Jahr 2001 um 20 % gestiegen. Das rief die Frage nach den Ursachen auf den Plan, auf den ersten Blick schien das schwer verstehbar. War je eine Generation aufgeklärter als diese? Hatte je eine Jugend unbegrenzteren Zugang zu Informationen oder war je zuvor der Zugang zu Verhütungsmitteln weniger restriktiv? Eine sich wenig an der konkreten Lebensrealität der jungen Mädchen orientierende Sexualaufklärung, die Sexualisierung und massenmediale Stimulation, die Pluralisierung der Lebensstile und moralische Widersprüchlichkeiten, mangelnde Perspektiven am Arbeitsmarkt, Beziehungssehnsucht und die Flucht in eine heile eigene Welt wurden als Ursachen ausgemacht. In der Konsequenz wurde diese Situation in der seriösen Presse anhaltend thematisiert und die Notwendigkeit eines altersentsprechenden ärztlichen Aufklärungsangebotes realisiert, z. B. durch die Informationsgespräche mit Ärztinnen der ÄGGF (Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e. V.) in Schulen oder durch die Initiative Mädchensprechstunde in frauenärztlichen Praxen. Seit 2004 sinken jetzt die Zahlen der minderjährigen Schwangeren kontinuierlich und anhaltend. Dieses ärztliche Engagement gilt es unbedingt fortzuführen und zu intensivieren.