Natürliche Familienplanung heute – Kompetenz in verschiedenen reproduktiven Phasen

Dr. med. Petra Frank-Herrmann, Heidelberg

Die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen, die mittlerweile auf großen internationalen Datenbanken beruhen, zeigen, dass Frauen ein hohes Maß an reproduktiver Kompetenz erwerben können. Es ist heute für Frauen möglich, mit wenig Aufwand das fertile Fenster im Zyklus und das Fertilitätsoptimum zuverlässig selbst zu bestimmen. Diese Körperkompetenz kann in verschiedenen Bereichen genutzt werden.

Familienplanung:

Bei der modernen natürlichen Familienplanung (NFP) beobachten Frauen die zyklischen Veränderungen des Zervixschleims und der basalen Körpertemperatur. Zur Bestimmung des Anfangs und Endes der fertilen Phase werden jeweils zwei Parameter herangezogen, die sich gegenseitig absichern (double-check). Wenn kein ungeschützter Geschlechtsverkehr in der fertilen Phase stattfindet, liegt die Methodensicherheit dieser in Deutschland gebräuchlichen symptothermalen Methode bei 0,4 Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre, die Gebauchssicherheit bei 2. Diese Methode ist damit die einzige hocheffektive natürliche Methode und ersetzt deshalb in Industrieländern die Kalendermethode, die Temperaturmethode und die Billings-Methode.

Kinderwunsch und unerfüllter Kinderwunsch:

Die Orientierung an der Zervixschleimqualität ermöglicht das Erkennen des Fertilitätsoptimums auch im unregelmäßigen Zyklus. Bei unerfülltem Kinderwunsch kann die Ovulations- und Lutealphasendiagnostik optimiert werden.

Zyklusstörungen in verschiedenen Lebensphasen:

Die NFP bietet ein differenziertes Zyklusmonitoring kontinuierlich über längere Zeiträume hinweg. Dies ist interessant bei Zyklus- und Hormonstörungen wie in den Situationen postpill, postpartum, Prämenopause oder im Leistungssport, beim PCO-Syndrom, etc.

Diese Form des Zyklusmonitoring erweitert außerdem die Möglichkeiten der Zyklusforschung in den verschiedenen reproduktiven Phasen.