Doping im Sport – aktuelle Aspekte

Prof. Dr. med. Dirk Clasing, Münster

Die Bekämpfung von Doping und Leistungsmanipulation im Sport ist eine zentrale Aufgabe der nationalen und internationalen Sportverbände. Seit 2004 unterliegen alle Sporttreibenden dem World Anti-Doping Code der World Anti-Doping Agency (WADA). Seit 2004 gibt diese jeweils zum 01.01. eines Jahres die Liste der verbotenen Wirkstoffe und Methoden als internationalen Standard bekannt. Die Wirkungen/Nebenwirkungen verbotener Wirkstoffe werden dargestellt. Dabei spielt die Beeinflussung sportlicher Ergebnisse eine wichtige Rolle.

Zur Behandlung chronischer Erkrankungen mit ansonsten verbotenen Wirkstoffen und Methoden muss eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) erwirkt werden. Die Kenntnis des WADA-Codes und der WADA-Liste der verbotenen Wirkstoffe und Methoden sowie Kenntnis der in Frage kommenden Passagen des Arzneimittelgesetzes sind Voraussetzungen für Beratung und Behandlung von Sportlern ohne mögliche negative Folgen wegen Dopings wie Sperren und Strafen.

Zur Vorbeugung von Missbrauch verbotener Substanzen und Methoden werden Dopingkontrollen nach und außerhalb von Wettkämpfen ("Trainingskontrollen") durchgeführt. Bislang fehlen einsatzbereite und von der WADA akzeptierte Methoden zum Nachweis von Wachstumshormon, Insulin und besonders Eigenbluttransfusionen. Auf Dauer müssen biologische Anpassungen in die Beurteilung des Medikamentenmissbrauchs eingeschlossen werden. Fixe Grenzen wie beim T/E-Quotienten bzw. bei den Blutuntersuchungen vor einzelnen Ausdauerwettkämpfen für Hämoglobin, Hämatokrit u. ä. sind wenig hilfreich. Statistisch gesicherte Abweichungen von einem individuellen Wert sollten einem positiven Dopingbefund gleichgestellt werden.

Zur Eindämmung des Blutdopings insbesondere des Eigenblutdopings (in den Trainingsphasen) wird über eine Gesundheitskarte, einen Athletenpass, einen Blutpass, über Blutprofile u. ä. in den Verbänden diskutiert. Einige nationale bzw. internationale Verbände fangen an, Datenbanken aufzubauen. Sollten diese Aktivitäten eine Bedeutung für die zukünftige Anti-Doping-Arbeit erlangen, müssen wichtige Kriterien erfüllt werden, ansonsten wird nur ein Wust von Datenmüll erzeugt. Insbesondere müssen für alle Sportler gleiche, verbindliche "kritische Werte" und Folgerungen bei Überschreiten dieser festgelegt und durchgesetzt werden.