Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Überlebenschancen von Schwerbrandverletzten steigen

Experten fordern stabile Finanzierung der Behandlung

Berlin, 04.02.2011

Über die Hälfte der Patienten, deren Haut beispielsweise bei Unfällen um mehr als 70 Prozent verbrannt ist, überleben mittlerweile ihre schweren Verletzungen. „Unser Wissen über großflächige und tiefe Verbrennungen konnten wir in den vergangenen Jahrzehnten stetig erweitern. Dadurch können heute selbst Menschen gerettet werden, die noch vor wenigen Jahren kaum eine Überlebenschance gehabt hätten“, betonte Dr. Bernd Hartmann vom Berliner Unfallkrankenhaus am Freitag auf dem 35. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin. Vor allem verbesserte intensiv-medizinische Maßnahmen, geänderte Operationsprotokolle sowie moderne Techniken des Wundverschlusses hätten dazu beigetragen, die Mortalität von Brandverletzten zu verringern.

Tiefer gehende Wunden bedürfen einer chirurgischen Behandlung, erklärte Hartmann. Diese sehe ein Abtragen des verbrannten Gewebes bis in Vitalstrukturen und eine nachfolgende Transplantation von Eigenhaut vor. Da Eigenhaut jedoch nicht unbegrenzt entnommen werden könne, müsse die zur Verfügung stehende Fläche durch verschiedene neuartige Methoden vergrößert werden. „Wenn bei ausgedehnten Verbrennungen mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind und die noch vorhandene Eigenhaut nicht ausreicht, muss auf ein Kulturhautverfahren zurückgegriffen werden“, so Hartmann. Bei diesem komplexen und zeitaufwendigen Verfahren werde im Labor patienteneigene Haut nachgezüchtet, die anschließend auf die Wunden übertragen wird.

Die Betreuung eines Patienten mit Brandverletzungen ist eine interdisziplinäre Aufgabe. „Um dem Patienten eine bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben, bedarf es neben einer umfangreichen medizinischen Behandlung auch einer sozialen Rehabilitation der Patienten“, ergänzte Prof. Dr. Peter Mailänder, Direktor der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie, Handchirurgie und Intensiveinheit für Schwerbrandverletzte Lübeck. Der Erfolg beruhe vor allem auf der engen Kooperation eines ausreichend ausgestatteten medizinischen Behandlungszentrums und den anderen an der Betreuung Beteiligten, wie dem Versicherungsträger und dem sozialen wie beruflichen Umfeld des Verletzten. Da die Behandlung zudem langwierig und somit auch kostenintensiv sei, müsse die Behandlung Schwerbrandverletzter in Deutschland dauerhaft auf ein finanziell stabiles Fundament gestellt und eine zentrenorientierte ambulante Nachbehandlung aufgebaut werden“, forderte Mailänder.