Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Schaufensterkrankheit gezielt behandeln

Experten diskutieren über Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Berlin, 01.02.2013

Mitunter bemerken die Betroffenen ihre Erkrankung zunächst nicht, manchmal treten die Schmerzen auch nur bei Belastung auf. Gefährlich ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, besser bekannt unter dem Namen „Schaufensterkrankheit“, dennoch. Denn häufig sind bei den Patienten nicht nur die Arterien der Extremitäten verengt, sondern auch die herz- und hirnversorgenden Schlagadern. Herzinfarkt oder Schlaganfall können die Folge sein. Die Therapie  der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit hat deshalb zwei grundsätzliche Ziele: Zum einen werden mit ihr die Blutgefäße betreffenden Risikofaktoren und Begleiterkrankungen behandelt, vor allem Gefäßerkrankungen des Herzens und des Gehirns, zum anderen wird der Blutfluss in den Extremitäten verbessert. Darauf verwies Dr. Holger Lawall vom Asklepios Westklinikum Hamburg beim 37. Interdisziplinären Forum „Fortbildung und Fortschritt in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin.

Wichtig sei, dass bei der Therapie der Patientenwunsch angemessen berücksichtigt werde. „Wenn das Hinken das entscheidende Symptom einer eingeschränkten Mobilität ist, verbessert die konservative, chirurgische oder interventionelle Gefäßbehandlung nicht nur die Lebensqualität wesentlich. Sie trägt durch Wiederherstellung körperlicher Aktivität auch entscheidend zur Senkung des Risikos für Herzgefäßerkrankungen bei.“

Im Vordergrund der konservativen Therapie stehe die Minimierung von Risikofaktoren durch nichtmedikamentöse und medikamentöse Prophylaxe sowie Gefäßtraining. So empfehlen Ärzte bei Fehlernährung und Bewegungsmangel dringend den Lebensstil zu ändern und auf Nikotin zu verzichten. Auch Sport sei eine erfolgversprechende Methode bei hinkenden Patienten. „Strukturiertes Gehtraining unter Aufsicht und Anleitung sollte allen Patienten mit Gehbehinderung und peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten angeboten werden“, forderte Lawall. Wenn die Lebensqualität der Patienten durch die Gehbehinderung erheblich eingeschränkt und Gehtraining nicht möglich ist, komme eine medikamentöse Therapie in Frage. Bei Patienten mit kritischer Unterbrechung der Durchblutung zielten chirurgische Eingriffe in erster Linie auf Schmerzfreiheit, Abheilen von Geschwüren und den Erhalt der Extremitäten.

Bei arteriellen Verschlusskrankheiten galt jahrelang der Bypass als die beste Behandlung. „Aufgrund neuer Studienergebnisse, insbesondere für den Einsatz von Stents, geringer Komplikationsraten und neu entwickelter technischer Verfahren ist in der Mehrzahl der Fälle heute eine endovaskuläre Therapie vorzuziehen, das heißt, ein Eingriff durch die Blutgefäße hindurch“, sagte Dr. Ralf Langhoff vom Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth in Berlin. Nach dem lange Zeit geführten Diskurs, ob eine konservative Therapie mit Gehtraining oder ein rekanalisierendes Verfahren gewählt werden sollte, sei heute klar, dass die Addition beider Verfahren den größten Effekt habe. „Das bedeutet, durch minimalinvasive Erweiterung eines verengten Gefäßes den Einstrom verbessern und dann die Patienten trainieren lassen“, sagte Langhoff.