Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeldumwandlung

Erstmals wird verpflichtend ein Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersversorgung eingeführt. Der Gefahr der Altersarmut soll so begegnet werden. (Deutsches Ärzteblatt 105, Heft 10 (07.03.2008), Seiten A-498, A-500)

Zum 1. April 2008 tritt der neue „Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung“ für das Personal in Arztpraxen in Kraft. Mit ihm wird erstmals verpflichtend ein Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersversorgung sowie ein Zuschuss des Arbeitgebers zur Entgeltumwandlung eingeführt. Damit wird der im Jahr 2002 begonnene Weg, eine betriebliche Altersversorgung für Praxismitarbeiterinnen aufzubauen, fortgesetzt: Die bisher rein arbeitnehmerfinanzierte, freiwillige Form der Entgeltumwandlung wird durch einen obligatorischen Arbeitgeberbeitrag in Höhe von 20 Euro (für Vollzeitkräfte und Auszubildende) und zehn Euro (für Teilzeitkräfte) zu einer „echten“ Betriebsrente ausgebaut.

Die ärztlichen Arbeitgeber (AAA – Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten) wollen damit einen Beitrag zur Verminderung der Altersarmut von Medizinischen Fachangestellten/Arzthelferinnen leisten und zugleich zur Attraktivitätssteigerung des Berufs beitragen. Denn die ambulante Versorgung der Zukunft durch niedergelassene Ärzte ist nach ihrer Auffassung nur mit qualifiziertem und engagiertem Personal in ausreichender Anzahl zu gewährleisten. Schon seit dem Jahre 2002 besteht im Übrigen eine eigene Pensionskassenversorgung für Gesundheitsberufe (Gesundheitsrente), die mit dem Tarifvertrag abgestimmt ist.

Bekanntlich wird das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Reformen, die die künftige Finanzierbarkeit sicherstellen sollen, weiter sinken. Selbst ein sogenannter Eckrentner wird nur noch mit circa 40 bis 45 Prozent des letzten Bruttoeinkommens als Altersrente ab dem 67. Lebensjahr rechnen können. Bei einer durchschnittlichen Praxismitarbeiterin werden sowohl das erzielbare Einkommen als auch die Lebensarbeitszeit, etwa wegen Elternzeit, Familienpause oder Teilzeitarbeit, noch geringer ausfallen, sodass hier regelmäßig eine größere Differenz zwischen gesetzlicher Altersrente und dem Arbeitsverdienst auftreten wird. Zudem ist aufgrund der Gehaltshöhe die Möglichkeit limitiert, mit eigenen Mitteln eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen.

Die Mitarbeiterinnen können sich in der dreimonatigen Einführungsphase von April bis Juni 2008 zwischen den Varianten A und B entscheiden. Der Bonus von sechs oder drei Euro bei Variante B soll einen Impuls zur Lenkung des Sparverhaltens von Medizinischen Fachangestellten – Altersvorsorge statt Vermögensbildung – setzen. Er finanziert sich kostenneutral aus den eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen des Arbeitgebers. Für den Arbeitgeber (und auch den Arbeitnehmer) sind nämlich Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung im Gegensatz zum vermögenswirksamen Sparvertrag auf Dauer sozialabgabenfrei. Dasselbe gilt für den Arbeitgeberzuschuss zur freiwilligen zusätzlichen Entgeltumwandlung durch die Mitarbeiterin in Höhe von 20 Prozent. Die Mindesthöhe des Zuschusses wurde auf zehn Euro monatlich festgelegt. Dies ist als zusätzlicher Anreiz für die Investition in Eigenvorsorge anzusehen.

Mit dem Tarifvertrag abgestimmt ist die Gesundheitsrente, entwickelt von der Deutschen Ärzteversicherung und der Apobank, unter Beteiligung der Tarifparteien der Ärzte- und Zahnärzteschaft und des Verbands medizinischer Fachberufe. Die Gesundheitsrente wurde aus der Selbstverwaltung heraus mitentwickelt, um den ärztlichen Arbeitgebern eine orientierende Entscheidungshilfe für die Durchführung der Altersversorgung ihrer Mitarbeiter zu bieten. Bei der Umsetzung der Betriebsrente hilft ein vereinfachtes Anmeldeverfahren per Liste. Das Produkt bietet wie ein Gruppenversicherungsvertrag alle Vorteile hinsichtlich Beiträgen, Verwaltungskosten, Logistik und Beratung sowie Ablaufleistung. Die Tabelle 2 zeigt die angenommene Wert- beziehungsweise Überschussentwicklung für eine 25-jährige Praxismitarbeiterin, die den maximalen Betrag von 56 Euro anlegt zum Zeitpunkt der Altersgrenze mit 67 Jahren. Angeboten werden sowohl eine fondsgebunde als auch eine konventionelle Rentenversicherung.

Rosemarie Bristrup, AAA
Uwe Brandt, Deutsche Ärzteversicherung
(in: Deutsches Ärzteblatt 105, Heft 10 (07.03.2008), Seiten A-498, A-500)

Tabelle 2: Vergleich Fondsgebunde Rentenversicherung Tarfi-Rente-Invest / Konventionelle Rentenversicherung Tarif-Rente-Classic

Weitere Informationen bei den Vertriebspartnern:

Deutsche Ärzteversicherung,
www.gesundheitsrente.de
Telefon: 0 18 03/21 22 71
E-Mail: service@gesundheitsrente.de

MLP – Finanzdienstleitungen AG,
www.mlp-mediziner.de
Telefon: 0 18 03/55 44 16
E-Mail: competencecentermed@mlp.de

Apobank
www.apofinanz.de
Telefon: 02 11/59 98-2 64
E-Mail: info@apofinanz.de

Hinweise zur Umsetzung

  • Gehen Sie bald auf Ihre Mitarbeiter zu, klären Sie die Wahl ab und organisieren Sie eine Beratung durch die ausgewählten Finanzdienstleister.
  • Möglichst jetzt schon komplett auf betriebliche Altersversorgung setzen, denn zum Jahresende 2014 läuft der tarifliche Arbeitgeberzuschuss zu den vermögenswirksamen Leistungen für Neuverträge sowieso aus. Ein bereits bestehender VWL-Vertrag kann auch ohne Arbeitgeberbeitrag mit staatlicher Förderung weiter bespart werden. Wird der (höhere) Betrag in die betriebliche Altersversorgung eingezahlt, fließen bis Ende 2014 mehr als 2 900 Euro zusätzlich in die Altersvorsorge (aufaddierter Unterschiedsbetrag zwischen Variante A und B, bezogen auf eine Vollzeitkraft).
  • Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, durch zusätzliche Entgeltumwandlung steuer- und sozialabgabenfrei ihre Versorgungslücke zu minimieren. Der Arbeitgeberzuschuss finanziert sich aus ersparten Sozialabgaben.