Der Weltärztebund (World Medical Association/WMA)

Unter dem Eindruck des zweiten Weltkrieges wurde 1947 zur Förderung der Zusammenarbeit der ärztlichen Organisationen der Welt der Weltärztebund (World Medical Association/WMA) gegründet. Die deutsche Ärzteschaft ist seit 1951 durch die Bundesärztekammer im Weltärztebund vertreten. Von den derzeit fast 80 nationalen Berufsorganisationen, die in ihm zusammengeschlossen sind, konnten etliche, insbesondere aus den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas, erst in den letzten Jahren Mitglieder werden.

Für einzelne Ärzte gibt es die Möglichkeit, persönliches Mitglied zu werden. Diese sogenannten "assoziierten Mitglieder" halten im Vorfeld der Generalversammlung ihr Jahrestreffen ab und senden zwei stimmberechtigte Delegierte in die Vollversammlung. Der Vorstand des Weltärztebundes, der sich aus Vertretern der Regionen zusammensetzt, tagt jährlich zwei- bis dreimal und wird zwischen den Generalversammlungen als Beschluss- und Beratungsorgan tätig. Die Geschäftstelle liegt heute in Ferney-Voltaire (Frankreich), gleich hinter der Grenze in der Nähe von Genf. 1

Wenn der Weltärztebund sich auch primär als internationale Berufsvertretung versteht, so hat doch das Patienten-Arzt-Verhältnis und insbesondere der Patientenschutz stets einen breiten Raum in seinen Verhandlungen eingenommen. Das 1948 verfasste "Genfer Gelöbnis" ist Bestandteil der meisten deutschen ärztlichen Berufsordnungen geworden und die Deklaration von Helsinki [PDF]  (Version 2013) hat insbesondere in der Fassung von Tokio 1975 den Maßstab für die Durchführung von klinischen Versuchen am Menschen gesetzt und auch das Arzneimittelgesetz in Deutschland mit geprägt. Diese Kerndeklarationen zu ethischen Grundsätzen ärztlichen Handelns wurden auf verschiedenen Generalversammlungen um Stellungnahmen zu Organtransplantation, In-vitro-Fertilisation, Gentherapie, Gentechnologie und Sterbehilfe fortgeschrieben und ergänzt. Die Sammlung der Erklärungen und Deklarationen des Weltärztebundes umfasst das weite Feld ethischer und sozialer Themen aus dem ärztlichen Berufsfeld und reicht von Beiträgen über die Definition des Todeszeitpunkts, des Schwangerschaftsabbruches, das Verbot der Mitwirkung an körperlichen Bestrafungen, die Erklärung zum Gebrauch und Missbrauch psychotroper Medikamente, Erklärungen zum Risiko des Tabakkonsums, bis zu Problemen der Umwelt und Demographie und immer wieder einzelner Resolutionen zu Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Ländern dieser Welt.


1. Der Weltärztebund wird häufig mit der Weltgesundheitsorganisation verwechselt. Beide beschäftigen sich mit internationalen Fragen des Gesundheitswesens; die WHO ist jedoch eine Behörde der Vereinten Nationen und wird von den Regierungen finanziert, deren Interessen naturgemäß politischer Art sind: daher unterliegt die WHO zwangsläufig politischen Einflüssen. Der Weltärztebund setzt sich hingegen aus freiwilligen Mitgliedern, den nationalen Ärzteorganisationen, zusammen und wird von diesen auch finanziert. Diese vertreten mehr als drei Millionen Ärzte weltweit, die einen Eid darauf abgelegt haben, die Interessen ihrer Patienten in den Vordergrund zu stellen und sich für die bestmögliche gesund­heitliche Versorgung für alle einzusetzen.