Anerkennung von Ausbildungsnachweisen aus Drittstaaten

Eine ärztliche Tätigkeit in Deutschland (assistenzärztliche Tätigkeit in der Weiterbildung bzw. fachärztliche Tätigkeit) kann nur mit einer gültigen Approbation (bzw. Berufserlaubnis) ausgeübt werden.

Die zuständigen Stellen für den Berufszugang sind die Approbationsbehörden in den jeweiligen Bundesländern. Eine Liste mit Ansprechpartnern und Adressen finden Sie hier

Die für den ärztlichen Berufszugang relevanten Rechtsgrundlagen -   Bundesärzteordnung sowie Approbationsordnung - können Sie hier einsehen:

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/aappo/gesamt.pdf

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/b_o/gesamt.pdf

Am 1. April 2012 ist das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen („Anerkennungsgesetz“) in Kraft getreten. Seither kann die Approbation unabhängig von der Staatsangehörigkeit beantragt werden.

Die Approbationsbehörden prüfen die Gleichwertigkeit von Ausbildungsnachweisen, die in einem Drittstaat erworben wurden. Wenn im Zuge der Gleichwertigkeitsprüfung wesentliche Unterschiede zwischen der Ausbildung aus einem Drittstaat und der Ausbildung in Deutschland festgestellt werden und keine einschlägige Berufserfahrung vorliegt zu deren Ausgleich, müssen die Antragsteller durch die Kenntnisprüfung nachweisen, dass sie über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Wenn sie die Kenntnisprüfung bestanden haben, ist die Gleichwertigkeit des Ausbildungsstandes gegeben.

Die Kenntnisprüfung bezieht sich auf die Fächer Innere Medizin und Chirurgie mit Fragestellungen zu den ergänzenden Aspekten Notfallmedizin, Bildgebende Verfahren, Klinische Pharmakologie, Strahlenschutz und Rechtsfragen der ärztlichen Berufsausübung. Zusätzlich kann die zuständige Behörde im Vorfeld der Prüfung ein Fach oder einen Querschnittsbereich als prüfungsrelevant festlegen, in dem sie wesentliche Unterschiede zwischen der ärztlichen Ausbildung in Deutschland und der Ausbildung des Antragstellers festgestellt hat.
Die Kenntnisprüfung ist eine mündlich-praktische Prüfung mit Patientenvorstellung und dauert zwischen 60 und 90 Minuten.

Die Eignungsprüfung nach § 3 Absatz 2 Satz 7 der Bundesärzteordnung bezieht sich auf die festgestellten wesentlichen Unterschiede einer ärztlichen Ausbildung, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz abgeschlossen wurde.

Die Eignungsprüfung ist eine mündlich-praktische Prüfung mit Patientenvorstellung, die an einem Tag stattfindet.

Wenn der Inhaber eines in einem Drittstaat ausgestellten Ausbildungsnachweises im betreffenden Beruf mindestens drei Jahre Berufserfahrung im Hoheitsgebiet eines EU-Mitgliedstaats hat, der diesen Ausbildungsnachweis bereits anerkannt hat und der die Berufspraxis bescheinigt, ist der Ausbildungsnachweis gleichgestellt mit einem Ausbildungsnachweis aus der EU, so dass eine Eignungsprüfung stattfindet
In der Regel werden bei Antragstellung auf Approbation und Berufserlaubnis Prüfungsnachweise über ausreichende Sprachkenntnisse verlangt (z.B. Allgemeinsprachliches Prüfungszertifikat Level B2 Mittelstufe, Europäischer Referenzrahmen). Informationen hierzu finden Sie auf den Websites der Approbationsbehörden.
Seit 2014 werden zusätzlich zu den allgemeinsprachlichen Kenntnissen auch Fachspracheprüfungen abgenommen (in der Regel entspricht dies dem Niveau C1 im medizinischen Bereich), die in der Mehrheit der Bundesländer von den Landesärztekammern durchgeführt werden. Informationen hierzu finden Sie auf den Websites der Landesärztekammern.

Weitere Informationen zum Thema Sprachkenntnisse finden Sie hier: https://www.gmkonline.de/documents/TOP73BerichtP_Oeffentl_Bereich.pdf

Bei Detailfragen (behördeninterne Gleichwertigkeitsprüfung, eventuell zu absolvierende Kenntnisprüfung bzw. Eignungsprüfung, neue Rechtslage aufgrund des „Anerkennungsgesetzes", einzureichende Dokumente etc.) empfehlen wir die direkte Kontaktaufnahme mit den zuständigen Behörden. 

Informationen zum "Anerkennungsgesetz" finden Sie unter dem folgenden Link (in Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Rumänisch, Polnisch, Türkisch, Griechisch, Arabisch)
https://www.anerkennung-in-deutschland.de/

Informationen zur Niederlassung finden Sie auf den Websites der Kassenärztlichen Vereinigungen in den jeweiligen Bundesländern.

Weiterbildungsnachweise aus Ländern außerhalb der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und der Schweiz werden in der EU nicht automatisch angerechnet. Die jeweiligen Diplome fallen nicht unter die Anerkennungssystematik der Richtlinie 2005/36/EG (Berufsanerkennungsrichtlinie).

Die Landesärztekammern sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts für die Prüfung und eventuelle Anrechnung von Weiterbildungszeiten sowie Facharztdiplomen aus dem Ausland zuständig. Bei Ausbildungsnachweisen bzw. Diplomen aus Drittstaaten vergleicht die Weiterbildungsabteilung Ihrer zuständigen Landesärztekammer Inhalt und Dauer der abgeleisteten Weiterbildung mit den Anforderungen der für die Landesärztekammer gültigen Weiterbildungsordnung.

Die Bundesärztekammer übt als Arbeitsgemeinschaft der Landesärztekammern keine Aufsichtsfunktion aus und hat in Fällen der Anerkennung von ausländischen Weiterbildungen keine Regelungskompetenz, da die Landesärztekammern als Körperschaften des Öffentlichen Rechts rechtlich eigenständig sind.

In der Regel ist bei der Prüfung auf Anrechenbarkeit von Drittstaatsdiplomen unter anderem der § 19 der Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer maßgeblich. Diese können Sie jeweils online einsehen über die Websiten der Landesärztekammern, Menüpunkt „Weiterbildung“.

In der Regel ist bei der Prüfung auf Anrechenbarkeit von Drittstaatsdiplomen unter anderem der § 19 der Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer maßgeblich. Diese können Sie jeweils online einsehen über die Websiten der Landesärztekammern, Menüpunkt „Weiterbildung“.

Die (Muster-)Weiterbildungsordnung ist nicht rechtlich bindend für die Ärztinnen und Ärzte. Diese sind bei Ausübung der ärztlichen Tätigkeit Plichtmitglieder in einer der Landesärztekammern. Für jeden Arzt/ jede Ärztin ist immer nur die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer   rechtsverbindlich, deren Mitglied er/sie ist. Gleiches gilt für die (Muster-)Richtlinien, die (Muster-)Kursbücher und die (Muster-)Logbücher.

Den § 19 der (Muster-)Weiterbildungsordnung in deutscher und englischer Sprache finden Sie hier:
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Weiterbildung/MWBO.pdf
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Weiterbildung/MWBO_Englisch.pdf