Blutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten

  • Erläuterungen und Regelungsoptionen zum Blutspende-Ausschluss bzw. zur Rückstellung von Personen, deren Sexualverhalten ein Risiko für den Empfänger von Blutprodukten birgt [PDF] 
    Stand 25.04.2012

    Der Blutspende-Ausschluss von Personen, deren Sexualverhalten ein deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt, ist seit langem in den Hämotherapie-Richtlinien verankert und wird insbesondere von der Personengruppe „Männer, die Sex mit Männern haben“ bzw. den sie vertretenden Verbänden als Diskriminierung empfunden.

    Zur Versachlichung der in der Vergangenheit oft sehr emotional geführten Diskussion hat eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern des Ständigen Arbeitskreises „Richtlinien Hämotherapie" nach §§ 12a und 18 Transfusionsgesetz des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer und des „Arbeitskreises Blut“ nach § 24 Transfusionsgesetz das Thema aus wissenschaftlicher Sicht unter Einbeziehung der Daten und Entwicklungen auf europäischer Ebene bewertet.

    An der Erarbeitung des Papiers waren neben den Vertretern des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer auch die zuständigen Bundesoberbehörden, das Paul-Ehrlich-Institut sowie das Robert Koch-Institut, beteiligt. In die nachfolgenden Beratungen flossen Anregungen der ärztlichen Selbstverwaltung, der für die Gesundheit zuständigen Behörden der Länder sowie von Vertretern der Blutspendeeinrichtungen ein. In teilweise kontrovers, aber stets konstruktiv geführten Diskussionen wurden die im Papier dargestellten Abwägungen und Empfehlungen erarbeitet.

    Die Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass der dauerhafte Ausschluss von der Blutspende für Personen, deren Sexualverhalten ein deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt, aufgrund der vorliegenden Daten in eine zeitlich befristete Rückstellung, abhängig vom letzten Zeitpunkt des Risikoverhaltens, verändert werden könnte.

    Mitglieder der gemeinsamen Arbeitsgruppe „Blutspendeausschluss von Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ aus Vertretern des „Arbeitskreises Blut nach § 24 TFG“ und des Ständigen Arbeitskreises „Richtlinien Hämotherapie nach §§ 12a und 18 TFG“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer

    Prof. Dr. med. Gregor Bein (federführend)
    Direktor des Instituts für klinische Immunologie und Transfusionsmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen
    Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

    Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Burger
    Präsident des Robert Koch-Instituts, Berlin

    Frau Dr. rer. nat. Margarethe Heiden
    Abt. Hämatologie und Transfusionsmedizin
    Paul-Ehrlich-Institut, Langen

    Prof. Dr. phil. Robert Jütte
    Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin
    Robert Bosch Stiftung, Stuttgart

    Prof. Dr. med. Harald Klüter
    Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunologie Mannheim
    Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
    DRK-Blutspendedienste Baden-Württemberg-Hessen gGmbH, Mannheim

    Dr. Ruth Offergeld
    Abteilung für Infektionsepidemiologie
    Robert Koch-Institut, Berlin

    Prof. Dr. med. Rainer Seitz
    Leiter der Abteilung Hämatologie und Transfusionsmedizin
    Paul-Ehrlich-Institut, Langen

    beratend:


    Dr. jur. Marlis Hübner
    Leiterin der Rechtsabteilung Bundesärztekammer

    Geschäftsführung


    Dezernat 6 - Wissenschaft, Forschung und Ethik
    Bundesärztekammer
    Herbert-Lewin-Platz 1
    10623 Berlin

    E-Mail: dezernat6@baek.de

  • Erläuterung zum Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) [PDF]
    Stand: 31.03.2010

    Der Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) ist eine seit langem in den Hämotherapie-Richtlinien verankerte Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Empfänger von Blutprodukten. Unstrittig ist, dass risikobehaftetes Sexualverhalten von Blutspendern, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Auswirkungen auf die Virussicherheit der aus der entsprechenden Spende hergestellten Blutprodukte haben kann. Der undifferenzierte bzw. pauschale Ausschluss von MSM von der Blutspende ist umstritten und wird von verschiedenen Verbänden als Diskriminierung empfunden.Der Fokus der vorliegenden Änderung richtet sich darauf, den diskriminierenden Anschein der Formulierung zum Ausschluss von MSM von der Blutspende zu entkräften. Im Zuge der Gremienbefassung der Bundesärztekammer zu den geänderten Formulierungen wurden Erläuterungen zur Thematik vom Arbeitskreis „Richtlinien Hämotherapie“ erarbeitet.Unabhängig von der vorliegenden kurzfristig notwendigen Richtlinienanpassung wird bei der weiteren Überarbeitung der Richtlinien die Thematik "Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSN)" vom Arbeitskreis unter Berücksichtigung europäischer und internationaler Daten erneut bewertet werden. Die Richtliniengeber hoffen, durch diese Vorgehensweise zur Versachlichung der in der Vergangenheit z. T. sehr emotional geführten Diskussion zur Blutspende von Personengruppen mit sexuellem Risikoverhalten beizutragen.