Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017

Für die Herstellung und Anwendung von Blutprodukten stellt die Bundesärztekammer seit Langem gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut den allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik in Richtlinien fest. Diese Aufgabe ist seit 1998 mit dem Transfusionsgesetz (TFG) gesetzlich übertragen.

Nachdem die 2005 erstellten Hämotherapierichtlinien in den Jahren 2007 und 2010 fortgeschrieben wurden, erfolgte nun eine komplette Überarbeitung. Als Ergebnis wurde am 07.08.2017 die „Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017“, aufgestellt von der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut, auf der Internetseite der Bundesärztekammer veröffentlicht.

Im Zuge der Novelle wurde die Richtlinie Hämotherapie stärker am gesetzlichen Auftrag ausgerichtet und dementsprechend neu gegliedert. Inhaltlich wurden die Spenderauswahlkriterien erneut mit den europäischen Vorgaben abgeglichen und den aktuellen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend angepasst. Wie bereits 2010 angekündigt, wurden in diesem Zusammenhang insbesondere die Zulassungskriterien zur Blutspende für Personen mit sexuellem Risikoverhalten erneut evaluiert. Die gemeinsame Bewertung des Bundesgesundheitsministeriums, der zuständigen Bundesoberbehörden sowie von Vertretern des Arbeitskreises Blut gemäß § 24 TFG und des Ständigen Arbeitskreises Richtlinien Hämotherapie des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer ist dem parallel mit der novellierten Richtlinie Hämotherapie veröffentlichten Papier „Blutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten – Darstellung des aktuellen Standes der medizinischen Wissenschaft, Stand 22.07.2016“, zu entnehmen. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre sowie neuer Untersuchungen konnten des Weiteren die Regelungen zur Spendeentnahme mit Blick auf den Spenderschutz sowie die Festlegungen zu den Transport- und Lagerbedingungen angepasst werden. Neue gesetzliche Regelungen zur Aufklärung und Einwilligung der Empfänger von Blutprodukten sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Blutgruppenbestimmungen sind weitere Aspekte, die Richtlinienänderungen notwendig machten. Mit Blick auf die Versorgung bedeutsam sind insbesondere die geänderten Festlegungen für die Anwendung von Blutprodukten bei Patienten mit bestimmten schwachen Varianten des Rhesusfaktors.

Die Bundesärztekammer trägt mit der Novellierung der Richtlinie Hämotherapie 2017 erneut dazu bei, dass Patienten zielgerichtet, effektiv und mit sicheren Blutprodukten versorgt werden und Blutspender durch ihre Spende nicht zu Schaden kommen.

Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017 [PDF]

Bekanntmachung zur Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017 [PDF]
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 114, Heft 31-32, 7. August 2017, Seite A 1504