Positionspapier der Bundesärztekammer zur Weiterentwicklung der Qualitätsberichte von Krankenhäusern

Konzept der Arbeitsgruppe "Qualitätsberichte in Krankenhäusern gem. § 137" (alte Fassung) SGB V der Ständigen Konferenz "Qualitätssicherung der Bundesärztekammer"

Positionspapier der Bundesärztekammer zur Weiterentwicklung der Qualitätsberichte von Krankenhäusern (alte Fassung) [PDF]
Mai 2006

Die Ständige Konferenz "Qualitätssicherung der Bundesärztekammer", ein Abstimmungsgremium mit Vertretern aller Landesärztekammern, hat 2005 und 2006 intensiv über das Thema Krankenhausqualitätsberichte diskutiert. Es wurde als notwendig erkannt, eine Position der Ärzteschaft zu diesem Instrument zu entwickeln. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die den vorliegenden Vorschlag für eine neue Struktur des Qualitätsberichtes erarbeitet und der Ständigen Konferenz "Qualitätssicherung der Bundesärztekammer" zur abschließenden Beratung am 9. Mai 2006 vorgelegt hat.

Vorschlag für eine neue Struktur

Das Konzept legt eine Gliederung zu Grunde, die im Hinblick auf die primäre Zielgruppe der Patienten und Angehörigen als schlüssig und nachvollziehbar erscheint. Die bisherige Gliederung der Krankenhausqualitätsberichte in einen "Basis- und einen Systemteil" wird als nicht hilfreich im Sinne eines Informationsgewinnes erachtet.

Die neue Gliederung übernimmt zugleich zahlreiche Elemente der vorliegenden Vereinbarung zur Erstellung eines Qualitätsberichtes gemäß § 137 SGB V, da nicht der Eindruck entstehen soll, ein komplett neues Werk aufzulegen. Vielmehr soll Bewährtes genutzt und durch neue Aspekte im Sinne einer guten Patienteninformation ergänzt werden.

Dieser erste Entwurf wurde in der Sitzung der Ständigen Konferenz "Qualitätssicherung" am 9. Mai 2006 unterstützt und der Auftrag zur Weiterentwicklung an die Arbeitsgruppe erteilt. Einvernehmen herrschte dahingehend, sich für einen "guten" und zugleich "niveauvollen" Qualitätsbericht seitens der Ärzteschaft einzusetzen und die Patienten sowie deren Angehörige dahingehend explizit zu informieren und zu unterstützen.

Zielgruppe

Der Schwerpunkt der Berichtserstattung liegt in erster Linie auf einer Information bezüglich Zielgruppe 1 (Patienten, Angehörige, Bevölkerung). Eine zweite Berichtserstellung für die weiteren Zielgruppen (wie einweisende Ärzte, Ärzte allgemein, andere Krankenhäuser, Krankenkassen und Organisationen des Gesundheitswesens) wird aufgrund des Aufwandes im Sinne einer verpflichtenden Maßnahme nicht empfohlen. Vielmehr bietet der auf den Patienten ausgerichtete Qualitätsbericht in der vorliegenden Entwurfsform auch Nutzen für weitere Zielgruppen.

Gliederung

I  Leseanleitung
II  Ausstattung
III  Leistung
IV  Qualitätssicherung
a) Aktivitäten
b) Ergebnisse
V  Allgemeine Informationen
VI  Fachbezogene Informationen

I  Leseanleitung

Die Leseanleitung sollte zu Beginn jedes Qualitätsberichtes stehen und den Patienten, Angehörigen etc. eine Orientierungshilfe sein, sich u. a. schnell einen Überblick zu verschaffen. Sie dient auch der persönlichen Ansprache und sagt etwas über die Kommunikationskultur der Einrichtung mit den Patienten, Angehörigen und Besuchern aus. Im Folgenden wird unterschieden zwischen formalen und inhaltlichen Anforderungen, die mit Beispielfragen veranschaulicht werden. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern müssen im Rahmen einer u. U. eigenen Arbeitsgruppe konkretisiert werden.

Aus der Leseanleitung kann in einem zweiten Schritt eine Matrix zur Bewertung eines Qualitätsberichtes entwickelt werden, der zwischen einer guten, mittelmäßigen und schlechten Veröffentlichung differenziert.

Formale Anforderungen:

Wie lese ich den Qualitätsbericht, wo finde ich was (Struktur, Aufbau etc.)?

Welche Orientierungshilfen existieren? Hierzu zählt auch die Sprache im Sinne einer allgemein verständlichen Sprache. Dabei sollten hinsichtlich der Diagnosen anerkannte Übersetzungen wie z. B. der AOK-Katalog genutzt werden. Darüber hinaus sollte auf Medizin-Lexika wie z. B. LaRoche verwiesen werden.

Inhaltliche Anforderungen:

Worauf sollte ich bei den einzelnen Inhalten achten? Was bedeutet z. B. die Gewährleistung des Facharztstandard?

Wer hilft mir weiter?

II  Ausstattung

  • Anschrift
  • Institutskennzeichen
  • Name des Trägers
  • Akademisches Lehrkrankenhaus (ja/nein)
  • Anzahl der Betten im gesamten Krankenhaus nach § 108/109 SGB V
  • Liste der Fachabteilungen entsprechend Landeskrankenhausplan (Bettenführende Abteilungen)
  • Liste der nicht Bettenführenden Abteilungen des Krankenhauses und Kooperationspartner (z. B. ausgelagerte Pathologien, Klinisch-chemische Laboratorien, MVZ etc.)
  • Anzahl der im Kalenderjahr stationär behandelten Patienten
  • Anzahl der im Kalenderjahr ambulant behandelten Patienten
  • Anzahl der im Kalenderjahr durchgeführten ambulanten Operationen
  • Liste der ambulanten Behandlungsmöglichkeiten einschließlich Privatambulanzen
  • Zulassung zum D-Arztverfahren der Berufsgenossenschaft (welche Abteilungen?)
  • Angaben zur technischen Ausstattung bezüglich Großgeräten und der interventionellen Radiologie

Anmerkung: Eine ungeordnete Auflistung über therapeutische Möglichkeiten wird in der alten Version als wenig bis gar nicht informativ erachtet. Hierfür eignet sich die Darstellung der einzelnen Kliniken bzw. Abteilungen besser im Sinne einer guten Patienteninformation!

  • Übersicht über die Personalausstattung allgemein und berufsgruppenbezogen
  • Übersicht über die Personalqualifikation im ärztlichen und pflegerischen Bereich

III.  Leistung

Anmerkung: Verzicht auf A.-1.7 B (Top-30-DRG), da für den Patienten keine Aussage!

  • Besondere Versorgungsangebote aufgeschlüsselt in Service- und medizinische Leistungsangebote
  • Fachabteilungsbezogene Informationen:
  • Name der Fachabteilung,
  • Name des Direktors und Stellvertreters,
  • Beide Facharztqualifikationen sowie Kontaktadresse
  • Medizinisches Leistungsspektrum der Fachabteilung als Übersicht
  • Besondere Versorgungsschwerpunkte der Fachabteilung mit Zahlen
  • Top 10 DRG, ICD (mit Gruppenbildung), OPS (mit Gruppenbildung), EBM
  • Darstellung der ambulanten Operationen analog der Darstellung der Eingriffe im stationären Bereich (Medizinisches Leistungsspektrum und besondere Versorgungsschwerpunkte mit Zahlen)
  • Top 5 ambulante Operationen
  • Vernetzung mit ambulanten Einrichtungen zur weiteren Versorgung wie DMP, IV,  Pflegeeinrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen sowie Brückenpflege etc.

Anmerkung: Verzicht auf B-2.3 (Hochschulambulanz etc.), da keine Aussage für den Patienten.

IV  Qualitätssicherungsaktivitäten

a)  Aktivitäten

Welche strukturellen Voraussetzungen sind vorhanden?

  • Qualitätsmanagement - Strategie und Politik
  • Qualitätsziele (messbar)
  • Qualitätsmanagementsystem (Aufbaustruktur QM, Qualitätsentwicklungsplan ein  schließlich Verfahren der Zertifizierung und Selbstbewertung)
  • Qualitätszirkel, Projektgruppen etc.

Welche konkreten Aktivitäten/Maßnahmen liegen vor?

  • Komplikationsbesprechungen
  • Maßnahmen der internen Qualitätssicherung
  • Teilnahme an externen Qualitätssicherungsmaßnahmen (gesetzlich vorgeschriebene  und freiwillige)
  • Beschwerdemanagement/Patientenberatung
  • Patientenbefragungen etc.
  • Fehlermanagement und Patientensicherheit

b)  Ergebnisse von Qualitätssicherungsaktivitäten

  • Möglichst gegliedert in quantitative und qualitative Ergebnisse und Bezug zu den unter a) aufgeführten Aktivitäten/Maßnahmen
  • C-1  Externe Qualitätssicherungsmaßnahmen mit einem Vorschlag verbindlicher Indikatoren für möglichst alle Fachgebiete auf der Basis von BQS-Daten bzw. Abrechnungsdaten (s. Anlage).

Anmerkung: C-4 (QS-Maßnahmen bei DMP-Programmen) nur mit entsprechender Erklärung, was ein DMP-Programm ist und was die Qualitätssicherung tatsächlich leistet.

Die Veröffentlichung zum Thema Mindestmengen wird nicht empfohlen. Soweit entsprechende Angaben gemacht werden, bedürfen sie dringend einer Erläuterung.

V  Allgemeine Informationen

Verweis auf die verschiedenen Möglichkeiten (Patientenbroschüre, Jahres-/Qualitätsbericht, Homepage) und Nennung von Ansprechpartnern zur Öffentlichkeitsarbeit, Service oder auch Patientenfürsprecher.

VI  Fachbezogene Informationen

Weitere Informationen über Leistungsbereiche und Benennung von Ansprechpartnern aus den Fachkliniken und Institutionen für Fragen der Patienten etc.