Zusammenfassung des Projektberichts des Kompetenzteams „Nachwuchsförderung/-gewinnung“ der Bundesärztekammer

(Stand: 01.04.2011, Beschluss des Vorstands der Bundesärztekammer)

Der ärztliche Nachwuchsmangel in der ambulanten und stationären Versorgung ist in bestimmten Bereichen und Regionen Deutschlands schon heute ein reales Problem: ländliche, strukturschwache Regionen sind verstärkt betroffen; Metropolregionen sind weitgehend unbeeinflusst. Prognosen gehen von einer erheblichen Verschärfung und Ausweitung des Nachwuchsmangels in den kommenden Jahren aus.

Es sind zahlreiche Maßnahmen zur Nachwuchsförderung/-gewinnung in den von Nachwuchsmangel betroffenen bzw. bedrohten Bereichen zu beobachten, die an einigen Stellen bereits vernetzt sind und auf regionaler Ebene koordiniert werden. Zwischen den Regionen und einzelnen Einrichtungen besteht eine Konkurrenzsituation, denn der ärztliche Stellenmarkt hat sich von einem Nachfragermarkt zu einem Anbietermarkt entwickelt, der sich immer weiter globalisiert.

Die am häufigsten anzutreffenden Instrumente zur Nachwuchsförderung/-gewinnung sind Informations- und Beratungsangebote, Service- und Vermittlungsleistungen sowie finanzielle Anreiz- und Förderprogramme. Ihr Zuschnitt und ihre Ausrichtung orientieren sich vorwiegend an der regionalen bzw. lokalen Bindungswirkung und zielen auf den dortigen Verbleib in der unmittelbaren Patientenversorgung ab. Die Zielgruppen sind Schüler, Medizinstudenten, junge und ältere Ärzte im In- und Ausland. Da der Frauenanteil im medizinischen Bereich ausgesprochen hoch ist und weiter wächst, rückt diese Zielgruppe immer mehr in den Fokus spezieller Fördermaßnahmen. Durch Verbesserungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (z. B. Ausbau der Kinderbetreuung) und Wiedereinstiegshilfen bei familiär bedingten Arbeits­unterbrechungen, soll die ärztliche Lebensarbeitszeit von Ärztinnen dem ihrer männlichen Kollegen angenähert werden.

Eine Beurteilung der Wirksamkeit und Effizienz der vielerorts eingeleiteten Maßnahmen zur Nachwuchsförderung/-gewinnung ist mangels valider Daten zumeist nicht möglich. Für finanzielle Anreizprogramme, die sich aus öffentlichen Geldern oder Pflichtbeiträgen speisen, sind Kosten-Nutzen-Bewertungen zu fordern.

Bestimmte strukturelle und systembedingte Rahmenbedingungen ärztlicher Tätigkeit lassen sich mit den genannten, singulären Fördermaßnahmen auf regionaler Ebene nicht wirksam beeinflussen. An dieser Stelle muss der politische und gesellschaftliche Diskurs durch die verfasste Ärzteschaft auf überregionaler Ebene angestoßen werden. Eine sachliche Informationspolitik der Ärztekammern zur Nachwuchsförderung/-gewinnung kann in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten aber auch die Grenzen aufzeigen und die Adressaten für weiter reichende Initiativen benennen.