Länderübergreifendes Krisenmanagement/Übung (LÜKEX 2007)

PANDEMIEPLANUNG

Probe für den Ernstfall

Bei einer bundesweiten Katastrophenschutzübung wurde das Szenario einer weltweiten Grippeepidemie durchgespielt.

Das Horrorszenario: 12,1 Millionen Menschen, darunter 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren und zwei Millionen ältere Menschen über 60 Jahre erkranken in Deutschland an der pandemischen Influenza H7N2. Bereits eine Woche vor der Spitze der Erkrankungswelle sind täglich schätzungsweise 800 000 Arztbesuche und 21 000 Krankenhauseinweisungen zu verzeichnen. 30 000 Todesfälle sind bereits zu beklagen. Bei einem beträchtlichen Teil der Erkrankten führen bakterielle Superinfektionen zu Komplikationen, wie etwa zu einer Lungenentzündung. Bei 15 Prozent der Krankenhauspatienten ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Die Krankenhäuser sind überlastet, die Supermärkte leer, Plünderungen drohen, die Geldautomaten sind leer, antivirale Arzneimittel können nicht rechtzeitig nachgeliefert werden.

Dieses Szenario einer Influenzapandemie spielte sich nur virtuell als „Trockenübung“ auf den Computern der Behörden ab. Ausgangspunkt der länderübergreifenden Krisenmanagementübung „Exercise“ (LÜKEX 2007) am 7. und 8. November 2007 in Bad Neuenahr-Ahrweiler war die Woche vor dem Höhepunkt der ersten Pandemiewelle. Mit mehr als 3 000 Verantwortlichen im ganzen Land und 200 Personen in der Schaltzentrale wurden die Auswirkungen einer globalen Influenzaepidemie auf Deutschland simuliert. Zehn Bundesministerien und deren Behörden, wie das Robert-Koch-Institut, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich- Institut, sowie Gesundheits- und Sicherheitseinrichtungen aus sieben Bundesländern übten mit. Auch die Influenzakommission für den Pandemiefall beim Robert-Koch-Institut, zu dessen Mitgliedern neben wissenschaftlichen Experten die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gehören, wurde im Rahmen einer Telefonkonferenz einbezogen. Beraten wurde darüber, wie und in welcher Reihenfolge die Bevölkerung schnellstmöglich mit 160 Millionen Impfdosen geimpft werden kann.

Die nicht direkt an der Übung teilnehmenden Länder wurden im Rahmen einer bei der zentralen Übungssteuerung angesiedelten Reaktionsgruppe einbezogen. Darüber hinaus wurden Hilfsorganisationen, wie die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz, die polizeiliche Gefahrenabwehr und ausgewählte Wirtschaftsunternehmen (Telekom, Vattenfall, Tengelmann) sowie Organisationen aus dem Gesundheitsbereich (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, BÄK, KBV) in die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Übung eingebunden.

Die Übung sollte das Krisenmanagement im öffentlichen und privaten Gesundheitswesen, bei der polizeilichen und nicht polizeilichen Gefahrenabwehr sowie bei der Zivil-militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) verbessern. Gleichzeitig sollte die Einbindung privater Unternehmen/ Institutionen zum effektiven Schutz der Bevölkerung optimiert werden. Schwerpunkte der Übungen waren: gesamtstaatliche Lagebeurteilung, abgestimmte Notfallplanungen und Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge, Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Funktionen bei krankheitsbedingtem Ausfall des Personals und bundesweite Koordinierung knapper Ressourcen. Realistisch durchgespielt wurde auch eine breit angelegte, abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit zur situationsgerechten Information der Bevölkerung im Rahmen eines vorausschauenden, ressortübergreifenden Krisenmanagements.

Realistische Simulation

Die Steuerung der Gesamtübung übernahm das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit der bei der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingerichteten „Projektgruppe LÜKEX“. Das Krisenszenario hierzu erarbeitete das Robert-Koch-Institut. Es war verantwortlich für alle gesundheitlichen Fragen und gehörte mit zur Übungsleitung. Dies sorgte für eine möglichst realistische Simulation einer Influenzapandemie. Auch BÄK und KBV wirkten als Fachberater in Ahrweiler mit. Es kam eine für diesen Übungszweck entwickelte neue Software zum Einsatz, mit der die „Drehbücher“ der Übung überwacht wurden. Diese Kommunikationsplattform hat sich bewährt, auch wenn sie noch weiterentwickelt werden muss.

Das Ganze hat einen ernsten Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation warnt seit Jahren vor einer neuen „Spanischen Grippe“, die sich in nur wenigen Monaten weltweit mit Millionen Toten ausbreiten könnte. Diese Übung trägt entscheidend dazu bei, Schnittstellen- und Koordinierungsprobleme zu identifizieren und zu beseitigen und informelle Netzwerke zu knüpfen.