Ombudsstellen bei den Landesärztekammern

Strategien gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft junger Ärztinnen und Ärzte

Status: Wertvolle Hilfe für junge Ärztinnen und Ärzte

Die Arbeitssituation von jungen Ärztinnen und Ärzten in den Krankenhäusern und weiteren Gesundheitseinrichtungen hat sich vor dem Hintergrund einer Vielzahl von gravierenden Änderungen in der Krankenhausorganisation und -finanzierung dramatisch verschlechtert. Unter dem Kostendruck reduzieren die Krankenhäuser die Planstellen im ärztlichen Bereich. Hierdurch kommt es zu einer zunehmenden Leistungsverdichtung bei immer weiter verkürzten Liegezeiten. Hinzu kommen oftmals viele Dienste, die in Folge unbezahlter Überstunden junge Ärztinnen und Ärzte dazu bringen, dieser dramatischen Überbelastung zu entfliehen. Aber auch im präventivmedizinischen Sektor, wie in der Betriebsmedizin, sieht es nicht besser aus.

Die Folge ist, dass heute junge Ärztinnen und Ärzte der Medizin verloren gehen, indem sie sich in anderen Sparten betätigen, z. B. als Journalist oder Unternehmensberater. Viele wandern auch ins Ausland ab, weil sie dort eine bessere Weiterbildung und Bezahlung vorfinden und auch die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten familienfreundlicher sind.

Dieses dringende Problem sah schon der 104. Deutsche Ärztetag 2001 und befasste sich mit dieser Thematik. Der 104. Deutsche Ärztetag sah in der Einführung von Ombudsfrauen bzw. Ombudsmännern der Landesärztekammern eine Möglichkeit, unter Einhaltung der Verschwiegenheit, den hilfesuchenden Ärztinnen und Ärzten zur Seite zu stehen. Damit Hilfesuchende ihre Ansprechpartner auch erreichen können und um einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den Ombudspersonen der Landesärztekammern gewährleisten zu können, wurde ein Adressverzeichnis der Ansprechpartner bzw. Ombudspersonen in den (Landes-)Ärztekammern gegen „Ausbeutung der Arbeitskraft und Überlastung von Ärztinnen und Ärzten“ auf den neuesten Stand gebracht (Stand 26.03.09). Diese Kontaktliste mag eine weitere Möglichkeit sein, den ärztlichen Nachwuchs zu stärken und für die Medizin zu erhalten.

Die Beratungskonzepte sehen je nach Kammer unterschiedlich aus. Entweder befasst sich der Präsident selbst mit den Anliegen der Kammermitglieder oder der Geschäftsführer oder eine Gruppe, wie z. B. der Vorstand der Kammer oder Ausschüsse, oder Justiziare oder Persönlichkeiten im Ruhestand. Die Kontakte mit den Ombudsstellen erfolgten durch die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte E-Mail-Adressliste sowie durch vertrauliche Briefkontakte oder Telefonate.

Die Ansprechpartner beschäftigen sich in ihren Beratungen weitestgehend mit Mobbing, Streitigkeiten unter Kollegen, Streitigkeiten mit der Klinikleitung oder mit dem Vorgesetzten. Auch werden persönliche Probleme thematisiert, die im familiären oder finanziellen Bereich angesiedelt sind, aber auch Probleme im Weiterbildungsablauf. Großen Raum nahmen bei den Beratungen inakzeptable Arbeitsverträge und unbezahlte Überstunden ein. Zum weiteren Service gehört auch, Hinweise auf externe Hilfe zu geben, wie z. B. Adressangaben von Rechtsanwälten, Beratungsstellen und von Betriebsräten. Auch mit internen Mitteln konnte geholfen werden, wie durch die Inanspruchnahme von Fürsorgefonds und der Ärztehilfe.

Ursachen für Konflikte am Arbeitsplatz sind laut der Ansprechpartner der Landesärztekammern häufig Kommunikationsprobleme zwischen den betroffenen Parteien, die einer Lösung im Wege standen. Hier hat sich die Vermittlung durch einen unabhängigen Dritten also dem Ansprechpartner bewährt. Kontroversen konnten dadurch beigelegt werden.

Es zeigt sich, dass nach wie vor vielen jungen Ärztinnen und Ärzten dieser Service der Landesärztekammern nicht ausreichend bekannt ist. Die Veröffentlichung dieser Liste im Deutschen Ärzteblatt bzw. die Einstellung dieser Liste auf der Homepage der Bundesärztekammer könnte hier hilfreich sein.

Dr. med. Annegret E. Schoeller, Bundesärztekammer