Interventionen bei riskantem Alkoholkonsum im Jugendalter

In den letzten Jahren macht sich bei Jugendlichen ein Besorgnis erregender Trend zu riskantem Konsumverhalten mit episodisch hohem Konsum, sogenanntes „binge drinking“, bemerkbar. Daraus resultieren häufig schwere Alkoholvergiftungen, die mitunter ernste kurz- und langfristige Konsequenzen nach sich ziehen können. Eine stationäre Behandlung zur Vermeidung von Komplikationen ist sinnvoll und erforderlich. Als wirksame Intervention hat sich hierbei das Gespräch am Krankenbett gezeigt. Das von der Villa Schöpflin entwickelte und vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützte Suchtpräventionsprojekt HaLT- Hart am Limit  baut gezielt darauf auf. Im reaktiven Projektbaustein werden Jugendliche nach stationär behandelter Alkoholvergiftung mit dem „Brückengespräch“ auf ihr riskantes Trinkverhalten angesprochen. Weitere Interventionen folgen in einem 8- bis 12-stündigen Gruppenangebot in der Zusammenarbeit mit Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Jugendberufshilfen, Pädagogen und anderen Kooperationspartnern. Ergänzend zu diesem individuellen Einsatz steht eine Präventionsstrategie auf kommunaler Ebene im Vordergrund. Jugendliche und Erwachsene werden auf einen verantwortungsbewussten Umgang sensibilisiert, z. B. durch Vorbildverhalten von Erwachsenen im Umgang mit Alkohol oder die konsequente Einhaltung des Jugenschutzgesetzes in Gaststätten oder Festen. HaLT wird mittlerweile in sieben Bundesländern angeboten.

Des Weiteren will das bundesweite Präventionsprojekt „Alkohol? Kenn dein Limit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Zusammenarbeit mit dem Verband der privaten Krankenversicherung e. V. (PKV) im Kern Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahre mit besonders hohen und riskanten Alkoholkonsum ansprechen. In einem ersten Schritt entwickelte die BZgA einen TV-/Kinospot, der auch an Orten gezeigt wird, wo junge Menschen Alkohol konsumieren. Verschiedene Motive für City-Light-Plakate und Anzeigen in Jungendzeitschriften gehören ebenso zur Kampagne wie das Internetportal www.kenn-dein-limit.info. Die Homepage informiert zielgruppengerecht über einen maßvollen Alkoholkonsum und bietet Strategien und Hilfen zur Reduzierung des übermäßigen Alkoholkonsums an. Mit dem Alkohol-Selbsttest kann der Jugendliche online seinen Alkoholkonsum bewerten und auch sein Wissen zum Thema Alkohol testen. Abhängig vom jeweiligen Testergebnis können in weiterer Folge konkrete Empfehlungen für einen risikoarmen Konsum und praktische Hilfestellungen für eine Reduzierung des Alkoholkonsums abgeleitet werden. Zusätzlich zum Internetangebot hat die BZgA Informationsbroschüren für Erwachsene entwickelt, die unter anderem über kritische Konsummengen und Beratungs- und Hilfsangebote bei Alkoholproblemen informieren. Das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Konsum soll damit geschärft und gleichzeitig auch die Elternverantwortung gestärkt werden.

Um missbräuchliche Alkoholkonsummuster frühzeitig zu verhindern, wurde die primärpräventive Kampagne „Na toll!“ von der BZgA entwickelt. Sie möchte insbesondere Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren erreichen mit dem Ziel möglichst viele Jugendliche über Alkohol und seine Risiken zu informieren und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit alkoholischen Getränken zu vermitteln.