Prävention, Früherkennung und Behandlung einer Alkoholabhängigkeit

Lediglich 6 % der Personen, die einen riskanten oder schädlichen Alkoholgebrauch betreiben oder alkoholabhängig sind, suchen entsprechende Fachdienste, nur 7 % ein Fachkrankenhaus. Jedoch waren 80 % im vergangenen Jahr mindestens einmal bei einem niedergelassenen Arzt vorstellig, 25 % wurden stationär aufgenommen. Ein hoher Anteil der Menschen mit Alkoholproblemen erscheint also in der Grundversorgung. Nach vorliegenden Studienergebnissen haben 10,7 % der Patienten in Allgemeinpraxen und 17,3 % der Patienten in der allgemeinen Krankenhausambulanz ein Alkoholproblem, in vielen Fällen ohne dies ihrem Arzt gegenüber selber zu thematisieren. Dies unterstreicht die Notwendigkeit der Früherkennung, Kurzintervention, Behandlung und ggf. Weiterüberweisung.

Zur Stärkung von Früherkennung und -intervention bei alkoholbezogenen Störungen sowie der Nachsorge nach einer Entwöhnungsbehandlung durch den Arzt haben sich der Fachverband Sucht e. V. und die Bundesärztekammer auf ein gemeinsames Positionspapier verständigt.

Bei riskantem und schädlichem Konsum gilt es, eine Reduktion des Alkoholkonsums und damit schadensmindernde Effekte zu bewirken. Hat sich eine Alkoholabhängigkeit bereits manifestiert, sind Patienten zur Inanspruchnahme weiterführender Angebote der Suchtkrankenhilfe bzw. einer Entwöhnungsbehandlung zu motivieren. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sollen möglichst rasch mit einem verkürzten Reha-Antragsverfahren durch niedergelassene Ärzte eingeleitet werden können. Zudem ist eine nahtlose Weiterbehandlung durch Hausärzte im Anschluss an die Entwöhnungsbehandlung innerhalb eines umfassenden Versorgungskonzeptes gefordert. Dies erfordert auch  eine entsprechende Vergütung von Leistungen zur frühzeitigen und nachhaltigen Intervention. Des Weiteren sollen vermehrt ärztliche Fortbildungen zum Thema „Umgang mit riskantem, schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit von Alkohol“ angeboten und bereits in der Ausbildung von Ärzten berücksichtigt werden.

Der niedergelassene Arzt gilt somit als früher, fachlich wie persönlich bedeutsamer Kontaktpartner von Patienten mit alkoholbezogenen Störungen. Konzepte für die frühzeitige Ansprache und praktische Umsetzungsvorschläge liegen bereits seit Jahren vor. Für eine ärztliche Kurzintervention stehen inzwischen Screeningverfahren mit guter Testgüte sowie umfassende Patienteninformationsmaterialen zur Verfügung. Bewährte Hilfsmittel zur Diagnosefindung sind unter „Früherkennung und Diagnose von Alkoholerkrankungen in der Praxis“ eingestellt.

Praktische Hilfen für eine gezielte Kurzintervention durch den Arzt finden Sie zudem in dem von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Bundesärztekammer aufgelegte Leitfaden „Kurzintervention bei Patienten mit Alkoholproblemen“. Der Leitfaden hilft und ermutigt, den Patienten gegenüber Alkoholprobleme anzusprechen und sie zielgerichtet zu behandeln. Er enthält zudem detaillierte Materialien für den Patienten.

Leitlinien zur Behandlung von alkoholbezogenen Störungen:

Der Suchtforschungsverbund Baden-Württemberg erarbeitete im Rahmen des Projekts „AQAH - Ambulantes Qualitätsmanagement alkoholbezogener Störungen in der hausärztlichen Praxis“ Diagnostik- und Behandlungsempfehlungen auf Basis der ICD-10 Kriterien. Hausärzte, aber auch Fachärzte und anderen Experten, die mit suchtkranken Patienten arbeiten, finden in dem Behandlungskorridor Informationen zum empfohlenen Vorgehen nach einem positiven Screening auf Alkoholkonsum. Des Weiteren sind auf dieser Homepage eine zertifizierte Online-Fortbildung, ein Dokumentationssystem und Literaturhinweise eingestellt.

Eine S2-Leitline zur Postakutbehandlung alkoholbezogener Störungen [PDF] wurde von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und -therapie (DG-Sucht) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgelegt mit der Zielsetzung einer nachhaltigen Remission alkoholbezogener Störungen. In ihr werden suchtspezifische (z. B. Selbstmanagement, 12-Schritte-Ansatz) und allgemeine Methoden (z. B. Psychotherapie, Ergotherapie) bewertet und im Rahmen integrierter Programme als Sequenzbehandlung empfohlen.