Raucherberatung und Behandlung durch den Arzt

Nicht nur die Folgen des Tabakkonsums schaden der Gesundheit, das Rauchverhalten selbst erfüllt bei vielen Betroffenen die Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung nach ICD-10 mit Einschränkungen der Lebensqualität. Etwa 35% der Raucher erreichen beim Fagerström-Test einen Punktwert von 4 und gelten damit als „deutlich abhängig“. Nur etwa 27% der Raucher erreichen einen Punktwert von 0, was einer nur sehr geringen oder keiner Abhängigkeit entspricht.

Tabakverzicht wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Die Raucherberatung und Entwöhnung vom Tabak hat somit bevölkerungsmedizinisch einen besonders hohen Stellenwert. Auch für den einzelnen Patienten ist der gesundheitliche Nutzen enorm. Allein das Risiko, an einer tabakbedingten Herzerkrankung zu versterben, kann bereits in den ersten zwei Jahren nach einem Verzicht auf Tabakkonsum halbiert werden. Nach 15 Jahren sind zwischen Rauchern und Nichtrauchern keine Unterschiede mehr feststellbar. Selbst wenn ein Raucher erst mit dem 50. Lebensjahr auf das Rauchen verzichtet, kann er das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, noch um die Hälfte reduzieren.

Ärztliche Raucherberatung ist hoch wirksam

Verschiedene Studien haben inzwischen wissenschaftlich belegen können, dass bereits eine kurze Ansprache und Beratung des Patienten wirksam ist und die Wirksamkeit mit der Intensität der Intervention weiter gesteigert werden kann.

Dabei sollten Sie Ihr Engagement und Ihre Zeit möglichst sinnvoll und erfolgversprechend einsetzen, weshalb wir Ihnen auf dieser Seite einige Hinweisen für eine erfolgreiche Raucherberatung zur Seite geben möchten:

  • Jeder Raucher sollte von seinem Arzt auf das Rauchen angesprochen werden.
  • Besonders wichtig ist die Intervention bei solchen Rauchern, die selber Leidensdruck signalisieren, die bereits Folgeerkrankungen des Rauchens aufweisen, sowie bei werdenden Eltern und solchen, die Verantwortung für im Haushalt mit lebende Kinder tragen.
  • Zur Bestimmung des Grades der Tabakabhängigkeit hat sich der Einsatz des Fagerström-Tests bewährt, der 6 Fragen zum Rauchverhalten umfasst.
  • Die Thematisierung des Rauchens sollte fachlich begründet und aus ärztlicher Fürsorge für die Gesundheit des Patienten erfolgen.
  • Für die ärztliche Kurzintervention wird die Beratungsprozedur der 5 As empfohlen.
1. ASK Nachfragen Feststellen der Rauchgewohnheiten bei allen Patienten und Konsultationen
2. ADVICE Aufhören anraten Empfehlung eines Rauchstopps
3. ASSESS Ausstiegsmotivation erfassen Erkennen der Bereitschaft, unmittelbar einen Rauchstopp zu vereinbaren
4. ASSIST Hilfe anbieten Aktive Unterstützung bei dem Rauchstoppversuch
5. ARRANGE Nachbetreuen Vereinbarung von Nachfolgeterminen zur Rückfallprophylax
  • Ist zusätzlich eine Motivierung zum Rauchstopp notwendig kann diese nach dem Ablaufschema der 5 Rs erfolgen.
1. RELEVANCE Bezug herstellen Anknüpfend an den körperlichen Zustand, die familiäre und soziale Situation, gesundheitliche Bedenken, Alter, Geschlecht und andere Merkmale, wie frühere Ausstiegsversuche, soll die persönliche Bedeutung der Tabakabstinenz für den Raucher unterstrichen werden.
2. RISK Risiken benennen Die Schilderung der potentiellen Risiken sollte auf die Situation des Rauchers abgestimmt sein. Erwähnt werden können: kurzfristige Risiken (z. B. Kurzatmigkeit, Impotenz, Unfruchtbarkeit, Hautveränderungen), langfristige Risiken (z. B. erhöhte Infektanfälligkeit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenkrebs und andere Karzinome), Risiken für Umgebung (z. B. Erhöhung der Infektanfälligkeit bei Kindern)
3. REWARDS Vorteile des Rauchstopps verdeutlichen Der Patient sollte mögliche individuelle Vorteile des Aufhörens benennen – hier gilt es, die mit der höchsten emotionalen Bedeutsamkeit zu betonen.
4. ROADBLOCKS Hindernisse und Schwierigkeiten ansprechen Die Ängste der Raucher beziehen sich häufig auf Entzugssymptome, die Angst zu scheitern oder eine Gewichtszunahme.
5. REPETITION Wiederholung der Beratung Raucher, die noch nicht an eine Abstinenz denken, sollten bei jedem Folgekontakt erneut nach dem gleichen Schema angesprochen werden.
  • Da Raucher unterschiedlich stark motiviert sind, das Rauchen aufzugeben, sollte sich die Ansprache an der jeweiligen Motivationsstufe orientieren, auf der sich der Patient aktuell befindet. (Batra: Tabakabhängigkeit: Stadien der Änderungsbereitschaft [PDF]; in "Dem Tabakkonsum Einhalt gebieten - Ärzte aktiv in Prävention und Therapie der Tabakabhängigkeit")
  • Die Motivation lässt sich durch die Ansprache ambivalenter Erfahrungen und Haltungen des Rauchers zum Tabakkonsum erhöhen (Schaffung sog. "kognitiver Dissonanzen").
  • Beim aufhörbereiten Patienten sollten die Entscheidung zum Rauchstopp gestärkt und konkrete Schritte vorbereitet werden. Dabei sind die bisherigen Erfahrungen des Patienten sowie sein soziales Umfeld mit zu berücksichtigen.
  • Mit dem Patienten sollten Folgekontakte vereinbart werden, die der Besprechung unangenehmer Begleitsymptome und kritischer Situationen sowie der Stärkung der Motivation dienen. Rückfälle sollten thematisiert und konstruktiv bearbeitet werden.
  • Zur Abfederung von Entzugserscheinungen sollte eine Nikotinsubstitution erwogen und mit dem Patienten besprochen werden. (Schmidt: Medikamentöse Therapie der Tabakabhängigkeit [PDF]; in "Dem Tabakkonsum Einhalt gebieten - Ärzte aktiv in Prävention und Therapie der Tabakabhängigkeit")