Paracelsus-Medaille für Sanitätsrat Dr. med. Wilhelm Ertz

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Wilhelm Ertz einen Arzt, der sich in fast 40 Jahren seines aktiven Berufslebens zunächst als praktischer Arzt, später als Facharzt für Allgemeinmedizin, als Berufs- und Gesundheitspolitiker, als sachverständiger Berater, als engagierter Vertreter der Allgemeinmedizin durch seine langjährige Tätigkeit in berufspolitischen Gremien, sein ehrenamtliches Mitwirken in ärztlichen Berufsverbänden und Körperschaften auf örtlicher, regionaler, Landes- und Bundesebene um die ärztliche Versorgung, die Aus-, Weiter- und Fortbildung, die Allgemeinmedizin, die Arbeit der Ethik-Kommission der Ärztekammer des Saarlandes, um das Gesundheitswesen und um das Gemeinwohl der Bundesrepublik Deutschland besonders verdient gemacht hat.

Wilhelm Ertz wurde am 30. Januar 1923 als Sohn des Kreisbaurates Wilhelm Ertz und dessen Ehefrau Johanna, geb. Steinmetz, in Neunkirchen/Saar geboren. Ab Ostern 1929 besuchte er vier Jahre lang die katholische Knaben-Volksschule in Neunkirchen/Saar und wechselte ab 1933 zum Reform-Realgymnasium in Neunkirchen/Saar, das später in Knaben-Oberschule umbenannt wurde, wo er den neusprachlichen Zweig besuchte. Nach Erlangung des Reifezeugnisses wurde er 1940 zum Militärdienst beim Fliegerausbildungsregiment 52 in Bromberg/Warthegau als Sanitätsoffiziersanwärter einberufen. Nach Abschluss der Rekrutenausbildung wurde er zur Ärztlichen Akademie der Luftwaffe in Berlin-Wittenau zum Sommersemester 1941 versetzt. Das Medizinstudium absolvierte er an den Universitäten Berlin und Würzburg bis Kriegsende 1945; 1943 Physikum an der Universität Würzburg und im Oktober 1946 medizinisches Staatsexamen an der Universität Freiburg im Breisgau mit der Gesamtnote "sehr gut". Am 14. Oktober 1946 wurde ihm die Approbation als Arzt erteilt. Von November 1946 bis Februar 1947 leistete er das damals noch vorgeschriebene "Landarztvierteljahr" in der großen Landarztpraxis von Dr. med. Clemens Kammenhuber in Ottweiler/Saar ab. Im März 1947 wechselte Ertz an die Chirurgische Abteilung des Knappschaftskrankenhauses Neunkirchen/Saar unter Leitung des damaligen Chefarztes Dr. med. Paul-Nikolaus Lauxen. Diese unbezahlte Assistenzarztstelle versah Wilhelm Ertz bis Juni 1947.

Von Juli 1947 bis April 1950 war Wilhelm Ertz erster Assistenzarzt in der Chirurgisch-Gynäkologisch-Geburtshilflichen Abteilung des St.-Josef-Krankenhauses Neunkirchen/Saar unter Leitung von Dr. med. Anton Jung, wo er zunächst eine chirurgische Weiterbildung begann, die er aber dann wegen einer Allergie aufgeben musste. Von September 1950 bis 1952 war er Volontärassistent an der Kinderklinik Neunkirchen-Kohlhof. Von Juli bis August 1950 war er als Assistenzarzt in der Landarztpraxis von Dr. Kammenhuber in Ottweiler/Saar tätig. Danach folgte eine Vertretungstätigkeit von April 1952 bis März 1953 in der Landarztpraxis des erkrankten Dr. Clemens Kammenhuber. Von April 1953 bis Ende März 1954 war er Volontärassistent, ab 1. April 1954 planmäßiger Assistenzarzt an der Inneren Klinik der Saarknappschaft in Sulzbach/Saar unter Leitung des damaligen Chefarztes Prof. Dr. med. Erich Kraus, wo er zuletzt Leiter der Inneren Ambulanz war. Am 1. April 1956 erhielt Wilhelm Ertz nach abgeschlossener internistischer Weiterbildung die Anerkennung als Internist. Die Anerkennung als Arzt für Allgemeinmedizin wurde ihm durch die Ärztekammer des Saarlandes am 10. Juli 1970 erteilt. Am 1. Mai 1957 ließ sich Ertz als Praktischer Arzt und Geburtshelfer, später als Facharzt für Allgemeinmedizin in Ottweiler/Saar nieder, eine Tätigkeit, die er bis zum 31. Dezember 1994 ausübte.

Schon während seiner Tätigkeit als Assistenzarzt der Saarknappschaft hat sich Wilhelm Ertz berufspolitisch engagiert. So war er zunächst Sprecher der Assistenzärzte. Bereits 1958 wurde er in die Kammerversammlung der Ärztekammer des Saarlandes als Delegierter gewählt. 1962 wählte ihn die damalige Kammerversammlung zum Beisitzer in den Vorstand. In diesem Amt wurde er durch Wiederwahl fünfmal bestätigt.

Während seiner fast 40-jährigen Tätigkeit im Vorstand der Ärztekammer hat Wilhelm Ertz zahlreiche Mandate und Ehrenämter innegehabt, die er zum Teil heute noch ausübt. Seit seiner erstmaligen Wahl in den Vorstand der Ärztekammer des Saarlandes 1962 hat er sein berufliches Wissen und seine Erfahrungen in verschiedenen saarländischen Kliniken und Arztpraxen stets in den Dienst der Kollegenschaft, der Patienten und des Gemeinwohls gestellt. Seine bewundernswerte Schaffenskraft, seine Fachkompetenz, seine Entscheidungsfreude, sein meist unbürokratisches, korrektes Vorgehen und seine interkollegiale Kooperation brachten ihm weithin Anerkennung und Bewunderung. Mit großem Einsatz, Arbeitseifer war er fast 40 Jahre lang in Ottweiler als Facharzt für Allgemeinmedizin tätig. Dabei kam seine Liebe zum Hausarztberuf nicht nur den ihm anvertrauten Patientinnen und Patienten, sondern insbesondere auch den jungen Kolleginnen und Kollegen zugute, denen er Wissen und Fertigkeiten mit Disziplin, aber auch mit didaktischem Geschick und verblüffender Eloquenz vermittelte. In allen Fragen der Aus-, Weiter- und Fortbildung beeindruckte er stets als erfahrener Ratgeber. Seine Ratschläge waren stets fundiert, seine Arbeit überzeugte. Seine Geradlinigkeit, sein Mut auch zu unpopulären Entscheidungen und sein beharrliches Eintreten für medizin-ethische Grundsätze haben ihn geprägt.

Besonders engagiert hat sich Wilhelm Ertz in der ärztlichen Fortbildung; so ist er bereits 1966 zum Fortbildungsbeauftragten der Ärztekammer des Saarlandes gewählt worden. Ihm ist es mit zu verdanken, dass die ärztliche Fortbildung an der Saar Vorbildcharakter auch für andere Kammerbereiche gewann und der jährlich erscheinende Fortbildungskalender prägend war. Seine Anregungen und praktischen Vorschläge in den Fortbildungskursen und -seminaren vermittelten stets neues gesichertes Wissen und Erfahrungen aus der Medizin. Seine langjährige erfolgreiche Tätigkeit in der Fortbildung fand in der Verleihung der Ernst-von-Bergmann-Plakette durch die Bundesärztekammer im September 1972 eine verdiente Würdigung. Aktives Mitglied war Ertz von 1958 bis 1970 im Finanzausschuss der Ärztekammer des Saarlandes und in den Jahren 1962 bis 1966 im Facharzt-Berufungsausschuss.

Ein weiterer Schwerpunkt in seiner ehrenamtlichen sachverständigen Mitarbeit konzentriert sich auf den Weiterbildungsausschuss, dem er seit 1970 angehörte und zu dessen Vorsitzendem er im Jahr 1980 berufen wurde, ein Amt, das er bis 1994 innehatte. Seinen Sachverstand brachte er auch in den Prüfungsausschuss für Arzthelferinnen im Saarland ein, dessen Vorsitzender er von 1985 bis 1991 war. 1972 wurde er auch in den Berufsbildungsausschuss der Ärztekammer berufen. Sein besonderes Augenmerk galt von jeher auch einer gründlichen Ausbildung des ärztlichen Assistenzpersonals. Nicht zuletzt aufgrund seines ehrenamtlichen und gemeinnützigen Einsatzes verlieh ihm die Regierung des Saarlandes am 24. April 1980 den Ehrentitel "Sanitätsrat".

Wilhelm Ertz hat sich auch in Fachausschüssen und Gremien der Bundesärztekammer engagiert. Seit 1966 war er stellvertretendes Mitglied der Ärztekammer des Saarlandes im Senat für ärztliche Fortbildung und ab 1974 stellvertretendes Mitglied der Ständigen Konferenz "Film in der ärztlichen Fortbildung". Außerdem war er Mitglied der Ständigen Konferenz "Ärztliche Weiterbildung" sowie stellvertretendes Mitglied der Ständigen Konferenz "Gesundheitserziehung" der Bundesärztekammer.

Für sein Engagement ist Wilhelm Ertz 1985 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse ausgezeichnet worden, vor allem in Würdigung seiner Tätigkeit im Landesverband Saarland für Krebsforschung und -bekämpfung, dessen Mitbegründer er 1969 war (bis 1992 Mitglied des Vorstandes). Außerdem erhielt er das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes für seinen erfolgreichen Einsatz bei der Einbeziehung und Integration der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes und Verflechtung zwischen Ärztekammer und der Fakultät. Außerdem ehrte ihn die Medizinische Fakultät des Saarlandes am 22. Mai 1996 mit der Asklepios-Medaille. Der Saarländische Hausärzteverband verlieh ihm im Oktober 1998 den Ehrenpreis in Würdigung seiner Bemühungen um die wissenschaftliche Anerkennung und Förderung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen. Er ist außerdem Träger der Carl-Erich-Alken-Medaille in Würdigung seiner Verdienste um die Ärztekammerarbeit und seiner Verdienste um die ärztliche Fortbildung (Oktober 1994). Ganz besonders interessiert hat sich Wilhelm Ertz auch für Fragen der Medizinethik. So war es folgerichtig, den geachteten Arzt und Berufspolitiker im Oktober 1983, als die Ethikkommission der Ärztekammer des Saarlandes gebildet wurde, zum Vorsitzenden zu wählen, ein Amt, das er in der Folge mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit ausfüllte. Fruchtbringend für die Arbeit der Ethikkommission war sein medizinisches Wissen und Können und ein weises, abwägendes unbestechliches Urteils- und Entscheidungsvermögen.

Bei der Neukonstituierung der Vertreterversammlung der Ärztekammer und den damit verbundenen Neuwahlen der Ausschüsse im Jahr 2000 gab er dieses Amt an seinen Nachfolger ab; er ist aber in der Ethikkommission bis heute noch als stellvertretender Vorsitzender tätig. In den zurückliegenden 22 Jahren seiner Tätigkeit hat er mit einem immensen Arbeitspensum eine stetig wachsende Zahl von Anträgen im Rahmen der Ethikkommissionsarbeit bewältigt. Sein abwägendes und stets an der Sache orientiertes Urteil in dieser schwierigen Materie haben ihn geradezu für die Lösung von Konfliktfällen in der Ethikkommission prädestiniert.

Wilhelm Ertz hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz als Arzt für Allgemeinmedizin und durch seine vorbildliche Haltung als aktiver Berufs- und Gesundheitspolitiker, als engagierter Vertreter der wissenschaftlichen Allgemeinmedizin, als Pionier der Medizinethik und als professioneller Fortbilder um die ärztliche Versorgung der Patienten, die Aus-, Weiter- und Fortbildung, als Vorsitzender der Ethikkommission der Ärztekammer des Saarlandes um die ärztliche Fortbildung, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.