Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Hoppe warnt vor weiterem Spargesetz im Gesundheitswesen - 109. Deutscher Ärztetag in Magdeburg eröffnet

Magdeburg, 23.05.2006 - "Wenn die gesundheitspolitischen Überlegungen in der Großen Koalition abermals nur auf ein weiteres Spargesetz zielen und die eigentliche Reform der Finanzierungsgrundlagen wieder verschoben werden soll, dann ist das unredlich gegenüber den Patienten, den Ärzten und auch gegenüber der nächsten Generation", sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe heute zur Eröffnung des 109. Deutschen Ärztetages in Magdeburg.

Statt mit dem "gefühlten Wissen" von vermeintlich milliardenschweren Effizienzreserven im deutschen Gesundheitssystem müsse man sich mit den Fakten auseinandersetzen: einer maroden Finanzierungsgrundlage, einer enormen Leistungsverdichtung und den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft bei rasant wachsenden medizinischen Möglichkeiten. "Wenn wir Rationierung dauerhaft vermeiden wollen, dann sollten die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung für deren originäre Aufgaben ausgegeben, die Eigenverantwortung der Versicherten gestärkt und so etwas wie ein Demografiefaktor auch in der Krankenversicherung berücksichtigt werden, denn ohne die Bildung von Rücklagen ist die GKV nicht zukunftsfähig", erklärte Hoppe in Anwesenheit von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Die hohe Qualität der Patientenversorgung im deutschen Gesundheitssystem - erst jüngst wieder in einer Sechs-Länder-Studie bestätigt - werde trotz chronischer Unterfinanzierung und zum Teil paralegalen Arbeitsbedingungen von den Ärztinnen und Ärzten, den Pflegekräften und all den anderen Gesundheitsberufen aufrechterhalten. "Mit unbezahlter Arbeit von mehr als 10 Milliarden Euro stützen die Ärztinnen und Ärzte das Gesundheitswesen. Diese Summe aber fehlt in allen Statistiken über die Finanzierung unseres Gesundheitswesens - ein schwerer Fehler von Politik und Ökonomie", kritisierte Hoppe. Das eigentlich Unerträgliche sei, dass man dieses Engagement der Ärztinnen und Ärzte als feste Rechengröße kalkuliere. Ein Drittel der vertragsärztlichen Leistungen werde einfach nicht mehr bezahlt und im Krankenhaus würde zu Tarifen gearbeitet, die im europäischen Vergleich nur ein mitleidiges Lächeln auslösten. Deshalb auch habe die Bundesärztekammer die Proteste und Demonstrationen der Ärztinnen und Ärzte gegen die fortwährenden Ungerechtigkeiten außerordentlich begrüßt und unterstützt. "Es kann und darf einfach nicht weitergehen nach dem Motto: "Come in and burn out"", forderte Hoppe.

Der enorme Zeitdruck, die wachsende Bürokratie und die mehr und mehr merkantil geprägten Entscheidungen in den Krankenhäusern seien maßgeblich mit verantwortlich für die wachsende Berufsunzufriedenheit für die Ärztinnen und Ärzte. "Wenn wir also auf die Straße gehen, dann kämpfen wir nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch für das Primat der Medizin", sagte Hoppe. Der Massenprotest des Gesundheitswesens zeige, dass grundlegende Änderungen notwendig seien. Ein Zurück zu alten Rezepten könne es nicht mehr geben.

Den vollständigen Redetext finden Sie hier.