110. Deutscher Ärztetag 2007 in Münster

Paracelsus-Medaille für Dr. med. Otto Schloßer

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Otto Schloßer einen Arzt, der sich in 40 Jahren seines aktiven Berufslebens und seines nunmehr 54 Jahre währenden berufspolitischen Engagements als Kommunal- und Gesundheitspolitiker, Sachverständiger in fachärztlichen Gremien und professioneller Fortbilder um die medizinische Versorgung der Patienten, die Weiter- und Fortbildung, die Qualitätssicherung in der Medizin und durch seine langjährige Tätigkeit in berufspolitischen Gremien, vor allem der Ärzteschaft, um die ärztliche Selbstverwaltung, das Gesundheitswesen und das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht hat.

Otto Schloßer wurde am 28. August 1921 in Geiging, Gemeinde Rohrdorf, Landkreis Rosenheim (Oberbayern), als Sohn des Automechanikers Otto Schloßer und seiner Ehefrau Amalie, geb. Schratzlseer, geboren. In Rosenheim, wohin die Familie 1923 verzog, besuchte er von 1927 bis 1931 die Knabenvolksschule und von 1931 bis 1939 das Humanistische Gymnasium. Dort bestand er im Frühjahr 1939 die Reifeprüfung (Abitur). Von April bis September 1939 war er dienstverpflichtet im Reichsarbeitsdienst Haspelmoor. Im Wintersemester 1939/40 begann Otto Schloßer an der Medizinischen Fakultät der Universität München sein Medizinstudium; die Ärztliche Vorprüfung legte er im Januar 1941 ab. Im Februar des selben Jahres wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Am Russland-Feldzug nahm er beim Infanterieregiment 62 (Landshut) teil. Danach wurde er zur Sanitätsersatzabteilung 7 nach Miesbach/Oberbayern abkommandiert, wo er bis 1942 als Ausbilder tätig war.

Im April 1942 wurde Otto Schloßer an die Militärärztliche Akademie nach Berlin versetzt, wo er im Sommersemester 1942 sein Medizinstudium fortsetzte. Von Juli bis November 1942 war er erneut als Hilfsarzt an der Ostfront tätig. Nach seiner Rückkehr studierte er im Wintersemester 1942/43 an der Universität Würzburg, um danach wieder an die Universität München als Medizinstudent zu wechseln. Im Frühjahr 1944 wurde er nach Berlin zurückversetzt. Das medizinische Staatsexamen absolvierte er an der Universität in Berlin Anfang 1945 erfolgreich. Am 15. Februar 1945 erhielt er die Bestallung als Arzt. Im Anschluss daran wurde er an die Chirurgische Abteilung des Reservelazaretts Rosenheim, einem Teillazarett des Städtischen Krankenhauses, versetzt, wo er vom 1. März bis zu dessen Auflösung am 31. August 1945 tätig war. Am 26. Februar 1945 wurde Otto Schloßer an der Universität München zum Dr. med. promoviert. Thema der Dissertation: „Beitrag zur Kenntnis des neurofibrillen Bildes subcorticaler ganglien (Thalamus und Corpus striatum)“. Damaliger Dekan: Prof. Dr. med. habil. Alfred Wiskott, ordentlicher Professor der Kinderheilkunde.

Danach begann Otto Schloßer seine internistische Weiterbildung an verschiedenen Kliniken in Oberbayern. Vom 1. September 1945 bis zum 30. April 1952 arbeitete er als Assistenz- und Stationsarzt in der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Rosenheim (Chef­arzt: Dr. med. Albert Erras). Am Ende dieser Beschäftigung war er ständiger Vertreter des leitenden Arztes. Die Anerkennung als Facharzt für Innere Krankheiten wurde ihm am 22. Dezember 1950 erteilt.

Bereits kurz nach Auflösung des Reservelazaretts in Rosenheim im September 1945 wurde er Mitglied des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim. Am 1. Mai 1952 verließ er das Krankenhaus Rosenheim, um sich in der Stadt als Internist in eigener Praxis niederzulassen. Bereits Anfang der 50er-Jahre begann das ehrenamtliche, sachverständige Engagement Otto Schloßers auf regionaler, Landes- und Bundesebene und sein kommunalpolitisches Wirken. Bereits 1952 wählten ihn die Rosenheimer Ärzte zum Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbandes, ein Amt, das er bis 1988 ununterbrochen innehatte.

Erstmals ist er 1954 zum Delegierten der Bayerischen Landesärztekammer, München, gewählt worden. Von 1967 bis 1991 gehörte er dem Vorstand dieser Landesärztekammer an. Sein Engagement auf regionaler und Landesebene brachte ihm auch Mandate auf Bundesebene ein. So war er Delegierter der Bayerischen Landesärztekammer bei zahlreichen Deutschen Ärztetagen; er gehörte mehrere Wahlperioden dem Vorstand der Deutschen Akademie der Gebietsärzte, eines Fachausschusses der Bundesärztekammer, an. In den Selbstverwaltungsgremien der ärztlichen Körperschaften auf Landes- und Bundesebene interessierte er sich insbesondere für Fragen der ärztlichen Weiter- und Fortbildung; so gehörte er dem Weiterbildungsausschuss auf Landesebene und der Sonographie-Kommission an.

Bereits 1956 hatte er die ersten ärztlichen Fortbildungsveranstaltungen im Chiemgau zusammen mit den Ärztlichen Kreisverbänden der Region organisiert und geleitet. Außerdem hat er mehrere Jahre die Kolloquien für Sonographie und Computertomographie in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, München, geleitet. Maßgeblich war er am Auf- und Ausbau der Qualitätssicherung in der Radiologie und in der Labordiagnostik beteiligt. Überhaupt war die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung sein besonderes Anliegen.

Bereits während der ersten Jahre seiner ärztlichen Tätigkeit und seines berufspolitischen Wirkens engagierte sich Otto Schloßer auch in der Kommunalpolitik. In den 50er-Jahren - bis zu seinem Umzug in den Landkreis Rosenheim - war er Stadtrat (für die CSU) in Rosenheim. Die Planung und Organisation des Neubaus des Städtischen Krankenhauses Rosenheim wurden von ihm wesentlich beeinflusst und durch seine profunden ärztlichen Kenntnisse und seine klinischen Erfahrungen geprägt. Dem Bezirkstag Oberbayern gehörte er ab 1970 für zwei Legislaturperioden als Mitglied an. Sein ärztlicher Sachverstand, seine Kompetenz und sein unermüdlicher Einsatz trugen wesentlich zur Verbesserung der Anstaltspsychiatrie in Oberbayern bei. Er schöpfte alle gebotenen Möglichkeiten aus, richtungweisend der Psychiatrie zum Wohle der Patienten Impulse zu geben. Auch in Wahrnehmung seiner beiden kommunalpolitischen Mandate hat sich der Realpolitiker Schloßer aus seiner ärztlichen Verantwortung heraus und auf der Basis seines hohen ethischen Anspruchs für die ärztliche Versorgung der Bevölkerung und die individuelle Betreuung der Patienten eingesetzt. Stets hat er öffentliche Interessen, gesundheitspolitische Erfordernisse und deren Realisierbarkeit abgewogen.

Darüber hinaus hat er sich gesundheitspolitisch in Gremien der CSU engagiert. So hat er seit der Gründung des Gesundheitspolitischen Ausschusses in diesem aktiv mitgearbeitet. Zahlreiche gesundheitspolitische Initiativen gehen auf Schloßers Initiative zurück. Viele seiner Ämter füllte er mit großem Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt aus. Er gab sein Wissen und Können auch an jüngere Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch in der kommunalen Gesundheitspolitik weiter.

Von 1974 bis 1978 gehörte Otto Schloßer dem Bayerischen Landesgesundheitsrat an, von 1974 bis 1978 als dessen Vorsitzender; eine dem Gemeinwohl verpflichtete Aufgabe, die seine gesamte Lebensauffassung und sein dem Gemeinwohl verpflichtetes Handeln widerspiegelt.

Als praktizierender Kassenarzt war Otto Schloßer auch in den Gremien der Kassenärzteschaft über die Maßen engagiert. Bereits 1956 wurde er zum Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns gewählt. Von 1971 bis 1975 war er Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Im Januar 1976 ist er als mit seiner Heimat sehr verwurzelter Arzt zum Vorsitzenden der Bezirksstelle Oberbayern der KVB gewählt worden. In seiner Heimatregion trug er wesentlich zur ständigen Verbesserung der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung bei. Von 1976 bis 1981 war er Vorstandsmitglied der KVB (1992 ist er zum Ehrenvorsitzenden dieser Bezirksstelle ernannt worden). Sein besonderes Interesse galt der Qualitätsverbesserung und der kollegialen Fortbildung als eine der ureigensten ärztlichen Pflichten eines jeden Arztes und Berufspolitikers.

Besonders hat er sich der Arbeit in der Sonographie-Kommission der Bezirksstelle Oberbayern verschrieben. Sein großes Fachwissen und seine allzeit geschätzte Dialogbereitschaft kamen auch bei seinem unermüdlichen Einsatz in der ärztlichen Fortbildung zum Tragen. Bereits 1956 ist auf seine Initiative die "Ärztliche Fortbildung im Chiemgau" gegründet und zu einem Markenzeichen entwickelt worden. Die Fortbildungseinrichtung von vier Ärztlichen Kreisverbänden (Rosenheim, Bad Aibling, Bad Reichenhall und Laufen) ist ein wegweisendes, erfolgreiches Modell der überregionalen Fortbildung.

Nicht nur auf lokaler, Kreis- und Landesebene, sondern auch auf Bundesebene konnte Otto Schloßer Akzente setzen. Ihm wurden als Ausdruck des Dankes zahlreiche Würdigungen und hohe Ehrungen zuteil: 1980 verlieh ihm der Vorstand der Bundesärztekammer in Würdigung seines langjährigen engagierten Einsatzes in der ärztlichen Fortbildung die Ernst-von-Bergmann-Plakette – auch in Würdigung seiner viele Jahre währenden Mitgliedschaft und als stellvertretender Vorsitzender der Akademie der Gebietsärzte der Bundesärztekammer und Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. 1978 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland; seit 1984 ist er Träger des Verdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Otto Schloßer hat sich durch seinen mehr als fünf Jahrzehnte währenden unermüdlichen Einsatz als Arzt, Kommunalpolitiker, ärztlicher Berufs- und Gesundheitspolitiker, Sachverständiger und Berater und gewählter Mandatsträger in der Selbstverwaltung und Gremien der ärztlichen Körperschaften um die ärztliche Versorgung, die Weiter- und Fortbildung, die Innere Medizin, die Qualitätssicherung, die Gesundheitspolitik und die Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.