Ärztetag für Transplantationsbeauftragte an Kliniken

Delegierte lehnen Kommerzialisierung der Organspende ab

Münster, 16.05.2007

Der 110. Deutsche Ärztetag in Münster hat heute jede Form der Kommerzialisierung von Organ- und Gewebetransplantationen nachdrücklich abgelehnt. Kommerzia-lisierung als Schlüssel zur Verteilung von Gesundheitsleistungen widerspreche nicht nur dem Solidaritätsprinzip, sondern auch ärztlichen Überzeugung, dass der menschliche Körper keine veräußerbare Ware sein könne und sein dürfe, heißt es im Beschluss des Ärzteparlaments. Transplantationen dürften nur abhängig von medizinischen Kriterien erfolgen; die Vermögens-situation des Empfängers beispielsweise dürfe keinesfalls ein Kriterium sein. „Es ist nicht mit der Menschenwürde vereinbar, wenn jemand seine Körperteile verkauft und sich damit zum Objekt erniedrigt“, sagte Prof. Dr. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärzte-kammer.

Die hohe Zustimmung zur Transplantationsmedizin in der Öffentlichkeit liege auch daran, dass die Gesetzgebung auf ethischen Prinzipien gründe, so der Ärztetag. „Dazu gehören vor allem die Freiwilligkeit der Entscheidung zur Spende, deren Unentgeltlichkeit, das strikte Verbot jeglichen Handels mit Organen und die Chancengleichheit der Patienten durch bundeseinheitliche Wartelisten“, erklärten die Delegierten.

Der Ärztetag diskutierte auch Überlegungen zur Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen der Transplantationsmedizin. Die Delegierten äußerten Zweifel daran, dass ein Wechsel von der geltenden erweiterten Zustimmungslösung zur Widerspruchs-lösung wirklich zu einer Förderung der postmortalen Organspende führen werde. Zu bedenken sei auch, dass die Widerspruchslösung in keinem europäischen Land gegen den Willen der Angehörigen durchgesetzt werde. Dieser Rücksicht auf die Hinterbliebenen liege die Einsicht zugrunde, dass ein Konflikt mit den Angehörigen der Transplantationsmedizin in jedem Fall schade.

Dringend diskutiert werden müsse die Rolle der Krankenhäuser mit Intensivstation im Hinblick auf die Mitteilung potenzieller Organspender, forderten die Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft. Die Krankenhäuser seien zwar schon jetzt gesetzlich verpflichtet, Patienten, die nach ärztlicher Beurteilung als Spender in Betracht kommen, dem zuständigen Transplantationszentrum mitzuteilen. Dieser Verpflichtung müssten sie aber auch verstärkt nachkommen. Eine flächendeckende Einführung von unabhängigen Transplantationsbeauftragten könne dabei helfen.

Auch die Möglichkeit, jeden Führerscheinbewerber zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu bewegen, sollte geprüft werden. Auf diese Weise würde nicht nur der Anteil der Bevölkerung erhöht, der einen Organspendeausweis besitze, sondern es würde bei den jungen Auto- und Motorradfahrern möglicherweise ein erhöhtes Bewusstsein für ihre Verantwortung geschaffen, erklärte der Ärztetag.