Paracelsusmedaille für Prof. Dr. med. Fritz Beske

Prof. Dr. med. Fritz Beske

 

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Fritz Beske einen Arzt, der sich in mehr als 55 Jahren seiner aktiven Tätigkeit herausragende Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen und die Ärzteschaft erworben hat. Als anerkannter Wissenschaftler analysiert er mit Kompetenz und Sachverstand die Struktur des Gesundheitssystems und ist so zu einem unentbehrlichen Politikberater geworden. Seine Gutachten sind keine abstrakten akademischen Abhandlungen, sondern konkrete Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene hat er sich darüber hinaus viele Jahre in zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Funktionen gesundheitspolitisch engagiert. Fritz Beske hat sich um die ärztliche Versorgung der Bevçlkerung, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Beske wurde am 12. Dezember 1922 in Wollin, Pommern, als Ältestes von drei Kindern des praktischen Arztes Fritz Beske und seiner Ehefrau Klara geboren. In Neustettin, Pommern, legte er 1940 die Abiturprüfung ab. Während des Zweiten Weltkrieges war er bei der Kriegsmarine eingesetzt, zunächst auf Minenräumbooten, dann als U-Boot-Offizier. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft arbeitete er ein Jahr lang als Bergmann im Ruhrgebiet. Sein Vater wurde seit Kriegsende in Russland vermisst. Trotz widriger Umstände begann Beske 1946 im Alter von 23 Jahren das Studium der Humanmedizin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Schon während des Studiums war er politisch aktiv und wurde 1949 zum Vorsitzenden des Allgemeinen Studentenausschusses gewählt. Das Medizinstudium schloss er 1951 ab und wurde im gleichen Jahr zum Dr. med. promoviert. Seine Dissertation mit dem Titel "Das Bronchialkarzinom" entstand an der Chirurgischen Universitätsklinik in Kiel unter Leitung von Prof. Wanke. Nach dem Studium begann Beske 1952 eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Hygiene-Institut der Universität Kiel unter Prof. Klose. Diese Arbeit unterbrach er 1954: An der Universität Michigan in Ann Arbor, USA, erwarb er den Abschluss Master of Public Health (MPH), mit dem er 1955 an das Kieler Institut zurückkehrte. Beske dürfte damit einer der ersten Deutschen gewesen sein, der eine solche Qualifikation vorweisen konnte.

Schnell zeigte sich, dass der Sachverstand des ambitionierten jungen Arztes gefragt war: 1958 wurde er Referent in der Gesundheitsabteilung des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein. Beske, der 1960 sein Amtsarztexamen ablegte, machte sich aber auch einen Namen über die Landesgrenzen hinaus, sodass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihn in das europäische Büro nach Kopenhagen holte, wo er von 1961 bis 1964 als internationaler Beamter arbeitete. 1965 kehrte Beske jedoch ins Innenministerium nach Kiel zurück und stieg dort zum Leiter der Gesundheitsabteilung auf. Von 1971 bis 1981 schließlich bekleidete er das Amt des Staatssekretärs im Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein unter dem Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg (CDU). Der Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen hat die Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein in dieser Zeit geprägt. Maßgeblich war er an der Krankenhausplanung, insbesondere an der Sanierung und Umstrukturierung der Landeskrankenhäuser beteiligt. Das Bundesland verdankt seiner Initiative die Landesklinik für Suchtkranke, das Landesseminar für Krankenpflege, die Arzneimitteluntersuchungsstelle und die für Umwelttoxikologie.

Nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene war Beske seit 1955 CDU-Mitglied politisch aktiv. Dem Bundesfachausschuss für Gesundheitspolitik der CDU stand er von 1972 bis 1983 vor. "Mehr Sachverstand in die gesundheitspolitische Diskussion", das ist wohl sein wichtigster Grundsatz. Das sich manche Entscheidungsträger ohne entsprechendes Hintergrundwissen zu gesundheitspolitischen Fragen äußern, war und ist für ihn nicht akzeptabel. Beske unterdessen scheute sich nicht, auch Tabuthemen, wie die Rationierung von Leistungen, anzusprechen. Er setzte sich schon damals für eine Überarbeitung des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein. Angesichts des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts hielt er dies für dringend geboten, wenn es auch künftig eine moderne medizinische Versorgung für alle Menschen geben solle. In diesem Zusammenhang forderte er eine Entlastung der GKV von versicherungsfremden Leistungen. Schon in den Siebzigerjahren vertrat er die Ansicht, dass nicht - wie von manchen Politikern behauptet - allein durch mehr Effizienz im Gesundheitswesen die Finanzprobleme der GKV zu lösen seien. Das gesundheitspolitische Programm der CDU aus dem Jahr 1978 trägt Beskes Handschrift. Sein grundsätzliches Plädoyer für ein freiheitlich organisiertes und selbstverwaltetes Gesundheitswesen und gegen ein bürokratisches, staatliches Versorgungssystem hat nicht an Aktualität verloren. Sein Name stand schon in seiner Zeit als aktiver Politiker für klare, fundierte Positionen und eine umfassende Sachkenntnis. Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Staatssekretär widmete sich Beske, den die Medizinischen Fakultät der Universität Lübeck 1973 zum Honorarprofessor ernannte, ganz der wissenschaftlichen Arbeit in dem 1975 von ihm gegründeten Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel (IGSF). Dieses trägt heute den Namen Fritz-Beske-Institut für Gesundheits-System-Forschung und war von 1983 bis 2004 Kooperationszentrum der WHO. Das Institut gibt eine Schriftenreihe heraus, in der bisher 109 Bände erschienen sind. Ein zentrales Thema der allseits beachteten und anerkannten Forschungsarbeiten ist dabei die Zukunft der GKV, insbesondere deren Finanzierbarkeit und die Neubestimmung des Leistungskatalogs. Um die Politik zu mahnen, rechnet Beske regelmäßig vor, wie sich die Kosten im Gesundheitswesen entwickeln, wenn die Entscheidungsträger nicht handeln wie zuletzt im Zukunftsszenario "Gesundheitsversorgung 2050". Weitere Bücher, Fachaufsätze und Gutachten aus Beskes Feder befassen sich unter anderem mit den Themen Krankenhausfinanzierung, Ärztliche Ausbildung, Qualitätssicherung und der Förderung der Allgemeinmedizin. Das wissenschaftliche Publizieren ist für Beske eine Herzensangelegenheit: Neben seiner Arbeit im IGSF war er von 1966 bis 2001 Schriftleiter der Zeitschrift "Das Öffentliche Gesundheitswesen" (seit 1993 "Das Gesundheitswesen"), die im Thieme-Verlag erscheint. Zusätzlich zu seinen vielfältigen hauptamtlichen Tätigkeiten, denen Beske während seiner Laufbahn nachgegangen ist, engagierte er sich ebenfalls in vorbildlicher Weise in ehrenamtlichen Funktionen. Viele Jahre war er für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) aktiv, unter anderem als Vizepräsident des DRK Landesverbandes Schleswig-Holstein und als Vorsitzender des Verwaltungsrates des DRK-Blutspendedienstes für Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch aus der Kommunalpolitik ist Beske nicht wegzudenken: Lange Zeit war er als bürgerliches Mitglied im Gesundheitsausschuss der Stadt Kiel tätig, von 1959 bis 1962 als Ratsherr. Für sein vielfältiges, unermüdliches und erfolgreiches Engagement erhielt Beske zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das Ehrenzeichen des DRK, die Johann-Peter-Frank-Medaille des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Goldene Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft und die "Health for All by the Year 2000 Medal" der WHO.

Beskes Arbeitseifer ist bis heute ungebrochen, Ruhestand ist für ihn auch mit 85 Jahren kein Thema. Seit nunmehr 56 Ehejahren steht ihm seine Frau Lore zur Seite, der wichtigste Mensch in seinem Leben, wie Beske sagt. Der 1958 geborene gemeinsame Sohn Christoph ist ebenfalls promovierter Arzt.

Fritz Beske hat während seiner aktiven politischen Laufbahn sowie als Wissenschaftler die gesundheitspolitische Diskussion durch sein klares Urteil und sein umfassendes Fachwissen enorm bereichert. Sein Einsatz für ein freiheitliches, selbstverwaltetes Gesundheitswesen sowie sein ehrenamtliches Engagement sind vorbildlich. Fritz Beske hat sich um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die deutsche Ärzteschaft und um das Gemeinwohl in herausragender Weise verdient gemacht.

111. Deutscher Ärztetag in Ulm, 20. Mai 2008
Vorstand der Bundesärztekammer
Präsident