Paracelsusmedaille für Prof. Dr. med. Heyo Eckel

Prof. Dr. med. Heyo Eckel

 

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Heyo Eckel einen Arzt, der sich in mehr als 40 Jahren seines aktiven Berufslebens sowie mit seinem langjährigen berufspolitischen Engagement herausragende Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen und die Ärzteschaft erworben hat. Er war 16 Jahre lang Präsident der Ärztekammer Niedersachsen und hat sich in zahlreichen Gremien der Bundesärztekammer engagiert, unter anderem als Vorsitzender des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung und Vorsitzender der Akademie der Gebietsärzte. Sein besonderer Einsatz galt der Weiter- und Fortbildung sowie dem Thema Umwelt und Gesundheit. Vorbildlich ist ebenfalls sein Engagement in der niedersächsischen Landesstiftung "Kinder von Tschernobyl". Heyo Eckel hat sich um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Eckel wurde am 8. Februar 1935 in Berlin als Sohn der Radiologen Prof. Dr. med. Paul Eckel und Dr. med. Edith Eckel geboren. Sein Elternhaus, in dem er gemeinsam mit vier Schwestern aufwuchs, hat schon früh seine Lebensplanung und sein ärztliches Selbstverständnis geprägt. Nicht nur die ärztliche Tätigkeit seiner Eltern hat Eckels Berufswahl beeinflusst, sondern insbesondere sein Vater, der von 1958 bis 1971 Präsident der Ärztekammer Niedersachsen war, dürfte eine Vorbildfunktion gehabt haben. Schon in jungen Jahren bekam er so einen Zugang zur Medizin und zur ärztlichen Selbstverwaltung. Nachdem er 1955 die Abiturprüfung in Nienburg an der Weser abgelegt hatte, schrieb er sich für das Fach Humanmedizin ein und studierte in Tübingen, Mainz, Erlangen und Göttingen. Nach dem Staatsexamen wurde er 1962 an der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität in Göttingen zum Dr. med. promoviert. Dass er sich schon früh für umweltmedizinische Themen begeisterte, verdeutlicht der Titel seiner Dissertationsarbeit: "Entwicklung ländlicher Wasserversorgungsanlagen am Beispiel des Landkreises Einbeck auf dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Göttingen". Die Arbeit erstellte er unter Leitung von Prof. Brandis. Seine Medizinalassistentenzeit leistete Eckel in der Medizinischen und Chirurgischen Klinik des Städtischen Nordstadtkrankenhauses in Hannover sowie in der Niedersächsischen Landesfrauenklinik, ebenfalls Hannover. Zunächst setzte er dann seine internistische Weiterbildung fort und war an der Medizinischen Klinik des Robert-Koch-Krankenhauses des Landkreises Hannover in Gehrden tätig. 1967 begann er seine Weiterbildung im Fach Radiologie und wechselte dazu an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Dort arbeitete er am Institut für klinische Radiologie unter Leitung von Prof. Stender.

Damals begann Eckel auch sein berufspolitisches Engagement: Er war als Assistentensprecher aktiv. An der MHH erkannte und schützte man die Einsatzfreude und fachliche Kompetenz des jungen Arztes. Nachdem er die Facharztprüfung für Radiologie abgelegt hatte, wurde er 1971 zum Oberarzt und 1973 zum Leitenden Oberarzt ernannt.

Eckels Interesse galt aber nicht nur der praktisch-klinischen Arbeit, sondern auch der Forschung. 1975 erhielt er die Venia Legendi für das Fach Radiologie. Seine Habilitationsschrift mit dem Titel "Entwicklung von Tumoren in der bestrahlten Rattenniere nach Dimethylnitrosamin" entstand unter Leitung von seinem Chef Prof. Stender sowie Prof. Mohr vom Institut für experimentelle Pathologie der MHH. In zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Publikationen beschäftigte er sich mit klinischen Fragen der Ultraschalldiagnostik, der Strahlenbiologie und der Dünndarmdiagnostik. Zu seinen besonderen Themen gehörten auch patientenbezogene beziehungsweise medizinbezogene Umweltfragen.

1976 wurde er Chefarzt des Instituts für klinische Radiologie des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende, 1981 Professor an der Georg-August-Universität in Göttingen. Eckel hat sich nicht nur außerordentliche Verdienste in der Patientenversorgung und Forschung erworben, sondern auch in der Ausbildung von Medizinstudenten. Als Lehrbeauftragter der Universität Göttingen bereitete er eine Vielzahl von Studierenden im Praktischen Jahr auf den Arztberuf vor. 1999 wurde er Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Weende. Diese Funktion hatte er bis 2006 inne, als er in den Ruhestand trat.

Eckel engagierte sich seit 1978 in der Ärztlichen Standespolitik, zunächst als Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen, dann ab 1982 als Vorstandsmitglied. Von 1990 bis 2006 leitete er die Geschicke der Kammer als deren Präsident. Dabei stand für ihn stets die Sacharbeit im Vordergrund, getreu seinem Motto "Mehr Sein als Schein". Bei der Ärztekammer Niedersachsen initiierte er unter anderem die Einrichtung des Arbeitskreises Umwelt und Gesundheit. Ein wichtiges Anliegen war ihm stets die Weiter- und Fortbildung sowie die Prävention. Nach der Wende setzte sich Eckel für einen zügigen Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung in den neuen Bundesländern ein: Er unterstützte den Aufbau der Ärztekammer in Sachsen-Anhalt sowie der berufsständischen Versorgungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus hat er das Projekt "SUPPORT" nachhaltig gefördert, eine Göttinger Initiative zur Unterstützung der regionalen Versorgung von Patienten mit Tumorschmerzen, an dem auch die Universitätsklinik Gçttingen beteiligt ist. 2006 wurde er zum Ehrenpräsidenten der Ärztekammer Niedersachsen ernannt.

Eckels Einsatz blieb aber nicht auf Niedersachsen beschränkt. Als Kammerpräsident war er 16 Jahre lang Mitglied des Vorstands der Bundesärztekammer (BÄK). Auch auf Bundesebene machte er sich insbesondere für die ärztliche Weiter- und Fortbildung stark.

1995 wurde er Vorsitzender des Deutschen Senats für Ärztliche Fortbildung ein Amt, das er bis 2007 inne hatte. Außerdem engagierte er sich als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses beziehungsweise der Ständigen Konferenz Weiterbildung der BÄK. Bereits seit 1987 war Eckel im Vorstand der Akademie der Gebietsärzte, 1999 wurde er Vorsitzender dieses Gremiums. Er war außerdem Vorsitzender des Ausschusses Gesundheit und Umwelt der BÄK. In seiner berufspolitischen Tätigkeit hat er sich stets gegen eine Ökonomisierung der Medizin gewandt. Für ihn ist der Patient keinesfalls ein Kunde, der Arztberuf kein Gewerbe.

Eckels wichtigste Botschaft innerhalb und außerhalb der Ärzteschaft ist die Freiheit des ärztlichen Berufs und die Verpflichtung der Ärzte, diesen nach ihrem Gewissen und den Geboten ärztlicher Ethik und Menschlichkeit auszuüben. Eckels Engagement ging weit über die Berufs- und Standespolitik hinaus. Vorbildlich ist sein Einsatz für die Niedersächsische Landesstiftung "Kinder von Tschernobyl", der er seit deren Gründung angehört. 1997 wurde er Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Die Organisation hilft den Opfern der Reaktorkatastrophe, die nunmehr 22 Jahre zurückliegt. Dem großen persçnlichen Einsatz Eckels ist es zu verdanken, dass es der Stiftung gelungen ist, die medizinische Versorgung der Strahlenopfer in Weißrussland und der Ukraine zu verbessern. Für sein vielfältiges, unermüdliches und erfolgreiches Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, das Verdienstkreuz Erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens, die Johann-Peter-Frank-Medaille des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens und die Hartmann-Thieding-Medaille des Hartmannbundes. Für seinen Einsatz für die Opfer von Tschernobyl wurde er unter anderem mit dem Franziska-Skoryini-Orden der weißrussischen Regierung und dem Verdienstorden des ukrainischen Präsidenten geehrt.

Eckel ist auch heute in seinem Ruhestand noch aktiv. Er engagiert sich nunmehr als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung "Kinder von Tschernobyl".

Seit vielen Jahren steht ihm seine Ehefrau Gilrun zur Seite. Er hat zwei Kinder.

Heyo Eckel hat sich mit seinem langjährigen berufs- und standespolitischen Engagement außerordentliche Verdienste erworben, besonders um die ärztliche Weiter- und Fortbildung. Das Thema Umwelt und Gesundheit hat er verstärkt ins Bewusstsein der Ärzteschaft gerückt. Sein humanitäres Engagement für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist vorbildlich. Eckel hat sich um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die deutsche Ärzteschaft und um das Gemeinwohl in herausragender Weise verdient gemacht.

111. Deutscher Ärztetag in Ulm, 20. Mai 2008
Vorstand der Bundesärztekammer
Präsident