Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Ärztetag lehnt Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an Nicht-Ärzte ab

Ulm, 23.05.2008

Der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm hat sich am Freitag entschieden gegen Modellvorhaben ausgesprochen, „die auf Arztersatz und Aufweichung des Facharztstandards in Diagnostik und Therapie hinauslaufen“. Solche Pläne gefährdeten die Patientensicherheit, zersplitterten die Einheitlichkeit der Heilkundeausübung und erzeugten mehr statt weniger Rechtsunsicherheit. „Deshalb ist eine Substitution ärztlicher Leistungen durch Leistungen nichtärztlicher Gesundheitsberufe mit gleichzeitiger Übertragung ärztlicher und juristischer Verantwortung für deren ordnungsgemäße Durchführung abzulehnen und an der einheitlichen Ausübung der Heilkunde durch approbierte Ärzte festzuhalten“, heißt es in dem Beschluss. Dagegen befürwortete der Ärztetag eine Delegation in der medizinischen Versorgung an Gesundheitsfachberufe unter der Voraussetzung der „therapeutischen Gesamtverantwortung des Arztes“. „Wir setzen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen, wie dies auch in der Vergangenheit gelungen ist. Eine Substitution ärztlicher Tätigkeiten lehnen wir jedoch ab“, fasste Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, die Meinung des Ärztetages zusammen.

Die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten, also die selbständige Ausübung von Heilkunde, auf die Angehörigen der Pflegeberufe sei eine „bewusste und politisch gewollte Substitution ärztlicher Tätigkeiten“, kritisierte Windhorst. „Dies ist der direkte Weg in die Zwei-Klassen-Medizin: Eine ärztliche Versorgung mit einem Rechtsanspruch auf Facharztstandard und eine nichtärztliche Versorgung zweiter Klasse.“ Maßstab für die Fortentwicklung der Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen sei das Primat der Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung. Erst dann kämen ökonomische Aspekte wie die Optimierung von Prozessen und die Wirtschaftlichkeit. „Der Arzt muss sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren können und von arztfremden Aufgaben entlastet werden“, sagte Windhorst.

Für die nichtärztlichen Berufe ergäben sich dabei neue Aufgabenfelder im Case-Management, der Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung, in Prävention, Rehabilitation und der Versorgung Pflegebedürftiger. So müsse die Rolle der Medizinischen Fachangestellten/Arzthelferinnen im multiprofessionellen ambulanten Team gestärkt werden. Die Bundesärztekammer habe im Oktober 2007 bereits fünf neue Fortbildungscurricula für Medizinische Fachangestellte verabschiedet, die sich mit den Themen Patientenbegleitung und Koordination, Ernährungsmedizin, Versorgung älterer Menschen, Prävention im Kindes- und Jugendalter sowie Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen befassen, so Windhorst.

Auch in der stationären Versorgung sieht die Ärzteschaft durch verbesserte Qualifizierungen nichtärztlicher Berufe Entlastung, beispielsweise bei der Dokumentation und Verschlüsselung, die durch medizinische Dokumentationsassistenten besser gewährleistet werden könne als durch Ärzte.

Entschieden lehnte der Ärztetag Konzepte ab, die im Rahmen eines verkürzten Medizinstudiums auf einen neuen Primärversorgertyp hinauslaufen, zu dem auch nichtärztliche Leistungserbringer zugelassen werden sollen. „Der Deutsche Ärztetag lehnt die Einführung einer Bachelor/Masterstruktur in der Medizin ab. Das einheitliche und hochwertige Medizinstudium mit dem Abschluss Staatsexamen muss erhalten bleiben“, forderten die Delegierten.