Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Der Arzt ist kein beliebig austauschbarer Gesundheitsdienstleister

Ärztetag warnt vor Zersplitterung des Arztberufs

Ulm, 23.05.2008

Gegen eine „Trivialisierung des Arztberufs“ hat sich heute der 111. Deutsche Ärztetag gewandt. „Der Arztberuf ist ein freier Beruf und kein beliebig austauschbarer Gesundheitsdienstleister“, heißt es in den „10 Thesen zum Arztbild der Zukunft und zur Rolle der deutschen Ärzteschaft für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens“. Die Komplexität ärztlichen Handels sei weder mit einer Partikularisierung des Arztberufes in einen „Heiltechniker“ oder „Arzt light“ noch mit einer Verkürzung des Medizinstudiums und Reduzierung des Primärarztes auf einen „Schmalspur-Primärversorger“ vereinbar. „Die Patienten lehnen zu Recht ab, auf Symptome und Diagnosen reduziert zu werden. Sie erwarten von guter Medizin, in der Ganzheit ihres Leidens wahrgenommen zu werden. Ein fragmentierter Arzt kann dieser Aufgabe nicht gerecht werden“, betonten die Delegierten.

Die Patient-Arzt-Beziehung müsse vor einer Erosion durch Kontrollbürokratie und Instrumentalisierung des Arztberufs für Rationierungszwecke geschützt werden. Nicht der Arztberuf sei unattraktiv, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen der Arzt seinen Beruf ausüben müsse. „Nur mit dem Selbstverständnis eines hochqualifizierten, freien Berufs bleibt der Arzt auch in Zukunft für die Patienten der Experte für Gesundheit und Krankheit sowie Vertrauensperson der ersten Wahl. Durch dieses Profil und sein freiberufliches Selbstverständnis sichert der Arzt seine Position im Gesundheitswesen, gerade in Zeiten zunehmender Marktorientierung“, sagte Prof. Dr. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und Vorsitzender des Ausschusses „Ausbildung zum Arzt/Hochschule und Medizinische Fakultäten“ der Bundesärztekammer. Der Arztberuf verfüge neben den unverwechselbaren Alleinstellungsmerkmalen und seiner Fachkompetenz über einen Wesenskern, der auch in Zukunft von einem guten Arzt erwartet werde: „die Fähigkeit, den Patienten Ernst zu nehmen, Fürsorge und Respekt aufzubringen, dialogfähig zu sein und seine eigenen Grenzen zu erkennen“.

Die Ärzteschaft kritisierte Konzepte und Modellvorhaben von Bund und Ländern sowie privaten Klinikbetreibern, in denen Ärzte ganz oder teilweise durch Nichtärzte ersetzt werden. Die Ganzheitlichkeit und Unteilbarkeit des Arztberufs werde damit zur Disposition gestellt. „Weil medizinische Behandlung eine Frage des Vertrauens ist, betrachten die Patienten nicht nur Diagnostik und Therapie, sondern auch die Beratung über Behandlungsmethoden und die damit verbundenen Risiken als genuine Aufgabe des Arztes, die nicht an andere Fachpersonen übertragen werden sollen“, sagte Schulze.