Paracelsus-Medaille für Prof. Dr. med. Rolf Bialas

Laudatio zur Verleihung der Paracelsus-Medaille an Prof. Dr. med Rolf Bialas [PDF]

Prof. Dr. med. Rolf Bialas

[Prof. Dr. med. Rolf Bialas]

 


Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Rolf Bialas einen Arzt, der sich in einer Vielzahl von haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten herausragende Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen und die Ärzteschaft erworben hat. Als langjähriger Präsident der Ärztekammer Hamburg hat er sich vorbildlich für die ärztlichen Belange engagiert. Ein besonderes Anliegen war ihm die Alterssicherung der Ärzte. Am Aufbau des Versorgungswerkes der Ärztekammer Hamburg war er maßgeblich beteiligt und fungierte außerdem als Vorsitzender des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen. Auch auf der politischen Bühne in seiner Heimatstadt war er aktiv – als Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und Bausenator. Bialas hat sich um die medizinische Versorgung der Bevölkerung, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Bialas wurde am 2. Februar 1929 in Hamburg als einziger Sohn des Milchhändlers Ernst Bialas und seiner Ehefrau Katharina geboren. Anfang 1945 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und geriet in Dänemark in Gefangenschaft. Nach dem Krieg kehrte er nach Hamburg zurück und legte an der Oberschule für Jungen in Eimsbüttel seine Abiturprüfung ab. 1948 begann der sportbegeisterte junge Mann – Bialas war damals Handballspieler und -trainer beim Hamburger Sportverein – das Studium der Humanmedizin in seiner Heimatstadt. 1954 absolvierte er das Staatsexamen und wurde zum Dr. med. promoviert. Seine Dissertationsarbeit mit dem Thema „Soziale Lage, Gesundheitszustand und Konstitutionstyp der Studierenden“ entstand am Hygienischen Institut der Hansestadt Hamburg unter Leitung von Professor Harmsen. Es folgte der Berufseinstieg als Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek. Dort arbeitete er in der Inneren Abteilung sowie in der Chirurgie. Der ambitionierte Arzt strebte aber keine Klinikkarriere an, sondern die Niederlassung. Nachdem er 1960 die Prüfung zum Facharzt für Innere Medizin abgelegt hatte, führte er ab 1962 eine Privatpraxis und war als Vertrauensarzt für die Landesversicherungsanstalt Hamburg tätig. 1978 erhielt er eine Kassenzulassung und war bis 1993 als Vertragsarzt für seine Patienten da.

Schon früh setzte sich Bialas auch für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen ein und engagierte sich in der ärztlichen Selbstverwaltung. Seine berufspolitische Heimat ist der Marburger Bund. Von 1962 bis 1974 war er Mitglied im Hamburger Landesvorstand. Im Jahr 1966 wurde er Beisitzer im Vorstand der Ärztekammer Hamburg. Sein besonderes Interesse galt der Alterssicherung der Ärzte durch berufsständische Versorgungseinrichtungen.

Am Aufbau des Hamburger Versorgungswerkes war er maßgeblich beteiligt. Auch langwierige Auseinandersetzungen um die Sinnhaftigkeit schreckten ihn nicht. Seine Eloquenz sei ebenso geschätzt wie gefürchtet, schrieb das Hamburger Abendblatt einmal über ihn. Und so setzte er in Hamburg schließlich die Gründung des Versorgungswerkes durch. 1971 wurde er zum Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses des Versorgungswerkes der Ärztekammer Hamburg gewählt. Diese Tätigkeit unterbrach er, als er 1974 Hamburger Bausenator wurde. Bialas – seit 1965 FDP-Mitglied – engagierte sich nämlich nicht nur in der ärztlichen Selbstverwaltung, sondern war auch auf der politischen Bühne in seiner Heimatstadt aktiv. Seit 1970 saß er als Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft.

Nachdem die FDP 1978 bei den Wahlen an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, kehrte er in seinen Beruf als Arzt zurück. Ein Jahr bildete er sich zunächst im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek fort, um auf neuestem Wissensstand seine Praxis weiterzuführen. Auch in die Gremienarbeit in der ärztlichen Selbstverwaltung stieg er wieder ein. Aufgrund seiner umfassenden Sachkompetenz wurde er 1982 erneut zum Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses des Hamburger Versorgungswerkes gewählt. In dieser Funktion war er bis 2000 tätig.

Von 1986 bis 1994 war er Präsident der Ärztekammer Hamburg. Ein wichtiges Anliegen war ihm die Ärztliche Fortbildung. In seiner Amtszeit wurde die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg gegründet. Als Kammerpräsident setzte er sich außerdem für eine Stärkung der Geriatrie ein, deren Bedeutung er schon früh erkannt hatte. Er scheute sich nie, auch Tabuthemen anzugehen und sich für Menschen am Rande der Gesellschaft einzusetzen. Mit vollem Einsatz unterstützte er das Methadonprogramm in Hamburg. In den ersten zehn Jahren dieses bundesweit bedeutsamen Programmes baute die Ärztekammer Hamburg selbst drei Drogenambulanzen auf und hatte während dieser Zeit ebenfalls die Trägerschaft der Einrichtungen inne.

Bialas war immer davon überzeugt, dass die Selbstverwaltung für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft unverzichtbar ist. „Die berufsständische Selbstverwaltung ist ein wesentlicher Bestandteil unseres freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates. Sie ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für die Funktionsfähigkeit unseres Gesellschaftssystems. Es beruht auf der Kreativität des Einzelnen und der Freiheit in Verantwortung für den Nächsten. So sehe ich in der berufsständischen Selbstverwaltung mehr als nur eine eigennützige Interessenvertretung. Hier wird beispielhaft unsere freiheitliche Demokratie gelebt“, sagte er 1991 in seiner Rede auf der Eröffnungsveranstaltung des 94. Deutsches Ärztetages in Hamburg – dem ersten gesamtdeutschen Ärztetag nach der Wende. Ein wichtiges Ziel war für ihn immer die Einheit der Ärzteschaft.

Als Präsident der Ärztekammer Hamburg war er auch Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK) in Köln. Von 1991 bis 1995 saß er dem Ausschuss „Gebührenordnung“ der BÄK vor. Außerdem setzte er sich für die Qualitätssicherung ein – und zwar lange bevor dies gesetzlich vorgeschrieben war. Er war unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses „Qualitätssicherung in der ärztlichen Berufsausübung“ der BÄK. Seine Kompetenz war stets über die Grenzen Hamburgs hinaus gefragt, insbesondere seine Kenntnisse über die Alterssicherung von Ärzten. Von 1991 bis 1995 war er Vorsitzender der Ständigen Konferenz „Ärztliche Versorgungswerke und Fürsorge“ der BÄK. 1988 wurde er stellvertretender Vorsitzender, 1992 dann Vorsitzender des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) – ein Amt, das er bis zum Jahr 2000 innehatte. In seine Amtszeit fiel unter anderem die gelungene Integration der in den neuen Bundesländern gegründeten Versorgungswerke in die ABV.

Bialas hat eine Vielzahl von ehrenamtlichen Funktionen ausgeübt. Verpflichtet fühlte er sich der Prävention und der Förderung von sozial benachteiligten Kindern. Als 1992 die Gesundheitsförderungskonferenz (GFK) gegründet wurde – ein Zusammenschluss von mehr als 50 Hamburger Vereinen, Verbänden, Krankenkassen, Kammern und Behörden – wurde er deren Vorsitzender. Später stand er an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, in die die GFK aufging. Von 1993 bis 2005 war er zudem alternierender Vorsitzender des Vorstandes der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Für sein vielfältiges, unermüdliches und erfolgreiches Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Ehrenschale der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen. In Anerkennung seines Lebenswerkes verlieh ihm der Hamburger Senat 1997 den Ehrentitel „Professor“. Bialas ist ebenfalls Ehrenvorsitzender des Versorgungswerkes der Ärztekammer Hamburg.

„Immer und überall unter Dampf“ – so charakterisierte ihn einst der Hamburger Journalist Max Conradt. An dieser Grundeigenschaft hat sich nicht viel geändert. Bis heute ist er vielseitig interessiert und befasst sich unter anderem mit medizinischen Themen, Politik, Geschichte und Literatur. Auch mit 80 Jahren ist er noch sportlich aktiv. Seit fast 52 Jahren steht ihm seine Ehefrau Dorothea zur Seite. Er hat vier Kinder und elf Enkel. Zwei seiner Söhne haben wie er den Arztberuf ergriffen.

Rolf Bialas hat sich mit seinem langjährigen Engagement in der ärztlichen Selbstverwaltung und der Hamburger Landespolitik sowie in seiner internistischen Tätigkeit außerordentliche Verdienste erworben. Sein Einsatz für ein freiheitliches, selbstverwaltetes Gesundheitswesen, besonders aber für die berufsständischen Versorgungswerke ist vorbildlich. Bialas hat sich um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die deutsche Ärzteschaft und um das Gemeinwohl in herausragender Weise verdient gemacht.

112. Deutscher Ärztetag in Mainz, 19. Mai 2009
Vorstand der Bundesärztekammer
Präsident