114. Deutscher Ärztetag

Ärztetag fordert: Ungleichen Gesundheitschancen für Kinder und Jugendliche entgegenwirken

Kiel, 03.06.2011

Die Zahlen sind alarmierend: Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, mehr als sechs Prozent sogar adipös und jedes fünfte Kind zeigt ein auffälliges Essverhalten. Dies geht aus der KiGGS-Studie (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) hervor, einer Untersuchung, die von 2003 bis 2006 in Deutschland vorgenommen wurde. Angesichts dieser Zahlen hat der 114. Deutsche Ärztetag in Kiel die Politik aufgefordert, gegenzusteuern. Würden belastende Faktoren frühzeitig erkannt, und würde auf medizinischer, familiärer und gesellschaftlicher Ebene interveniert, könne die gesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv beeinflusst werden, heißt es in einem Beschluss des Ärzteparlaments.

„Um Risikofaktoren für die gesundheitliche Entwicklung – vor allem bei der Ernährung, Bewegung sowie psychische Belastungen – frühzeitig erkennen zu können, müssten Eltern bei den Früherkennungsuntersuchungen besser über diese aufgeklärt und in geeignete Angebote zur Gesundheitsförderung weitervermittelt werden“, erklärte Prof. Dr. Fred Zepp vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz auf dem Ärztetag. In ihrem Beschluss forderten die Delegierten, dass die Früherkennung von Risikofaktoren für die gesundheitliche Entwicklung, sowie die Aufklärung der Erziehungsberechtigten und die Weitervermittlung in geeignete Angebote zur Gesundheitsförderung integrale Bestandteile des Paragraphen 26 des SGB V zur Kinderuntersuchung werden müssten. Zudem sollen Leistungen nach Paragraph 20 SGB V, „Prävention und Selbsthilfe“, enger an die Früherkennungsuntersuchungen gekoppelt werden.

In einem weiteren Beschluss forderten die Delegierten, dass die Präventionsangebote der Krankenkassen zielgruppengerecht und qualitätsgesichert ausgestaltet werden. „Die bisherigen Evaluationsdaten des GKV-Spitzenverbandes belegen, dass mit den bestehenden verhaltensbezogenen Angeboten der Krankenkassen die eigentlichen Zielgruppen kaum erreicht werden“, erklärten die Delegierten. Deshalb sollten sich niedergelassene Ärzte sowie Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) stärker an lebenswelt-bezogenen Maßnahmen der Gesundheitsförderung beteiligen dürfen.