III – 02 Betriebswirtin im Gesundheitswesen – Arztentlastung durch fortgebildete Medizinische Fachangestellte

Beschluss

Auf Antrag des Vorstands der Bundesärztekammer  (Drucksache III - 02) beschließt der 115. Deutsche Ärztetag mit großer Mehrheit:

Der 115. Deutsche Ärztetag 2012 begrüßt die Neukonzeption einer Aufstiegsfortbildung für Medizinische Fachangestellte (MFA) nach § 54 Berufsbildungsgesetz zur „Betriebswirtin im Gesundheitswesen“ durch die Bundesärztekammer und fordert die Landesärztekammern auf, entsprechende Kursangebote zu entwickeln.

Zur Unterstützung, insbesondere in größeren ambulanten Einrichtungen und kooperativen Versorgungsformen, z. B . regionalen Versorgungszentren, primären Versorgungspraxen, Praxisverbünden oder Ärztenetzen, benötigen Ärztinnen und Ärzte zukünftig verstärkt qualifiziertes Fachpersonal, das sie von Verwaltungs-, Organisations- und Managementaufgaben entlastet. Nachdem für kleinere und mittlere Einrichtungen der ambulanten Versorgung seit 2009 die „Fachwirtin“ (Umfang 420 Stunden Fortbildung) von mittlerweile zwölf Ärztekammern erfolgreich angeboten wird, wird zur Zeit mit der „Betriebswirtin“ ei ne Aufstiegsfortbildung für die Leitungs - und Führungsebene entwickelt, die ein Arzt auf der betriebswirtschaftlichen und Managementebene einsetzen kann. Das Berufsbild wird für Aufgaben in den Bereichen Rechnungs- und Finanzwesen, betriebswirtschaftliche Unternehmensführung, Rechtsgrundlagen, Personal- und Ausbildungsmanagement, Informationstechnologien, Qualitätsmanagement, Case- und Schnittstellenmanagement im Umfang von 1.250 Stunden konzipiert. Die Betriebswirtin stellt ei n Entlastungsangebot für Ärztinnen und Ärzte dar, die neben ihren ärztlichen Kernaufgaben zusätzlich große Ressourcen in Organisation und Verwaltung in vestieren und die ggf. auch Einrichtungs - und Versorgungsstrukturen optimieren wollen.

Die Betriebswirtin ist vom Niveau her auf der Leitungs- und Führungsebene angesiedelt, arbeitet im gegebenen Rahmen eigenständig und bereitet Entscheidungen der ärztlichen Unternehmensführung vor. Damit ist sie mit den Betriebswirten des Industrie -, Handels- und Handwerksbereiches vergleichbar, stellt aber im Gegensatz zu diesen ei ne branchenspezifische Lösung mit hohem Praxisbezug dar, die zudem i n erster Linie die Medizinischen Fachangestellten im Blick hat. Ein eigenes Angebot der Ärztekammern als gesetzlich "zuständige Stellen", ausgerichtet auf die Strukturen der ambulanten medizinischen Versorgung sowie mit Anrechenbarkeit auf ein späteres einschlägiges Studium, stellt eine sinnvolle Alternative zum bisher allein von dem Industrie – und Handelskammern besetzten Feld anspruchsvoller Aufstiegsoptionen dar und eröffnet für MFA attraktive Berufsperspektiven.