VI - 44 Psychosomatische Kompetenz

Vorstandsüberweisung

Der Beschlussantrag von Herrn Dr. Rütz, Frau Dr. Groß M.A. und Frau Bartels (Drucksache V I - 44) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Der 115. Deutsche Ärztetag 2012 fordert den Vorstand der Bundesärztekammer zu einer breit angelegten, medienwirksamen Kampagne auf, um auf die in der Ärzteschaft vorhandene Kompetenz bei psychosomatischen Erkrankungen hinzuweisen.

Gleichzeitig ruft der 115. Deutsche Ärztetag alle Ärztekammern dazu auf, niederschwellige Fortbildungsangebote für die Vertiefung psychosomatischer Kompetenz zu schaffen.

Begründung :

In der Öffentlichkeit verliert der Arztberuf zunehmend seine Bedeutung, wenn es um die Beurteilung psychischer Problematiken geht. Vielmehr scheinen ausschließlich Psychotherapeuten oder Notfallseelsorger kompetente Ansprechpartner in seelischen Krisensituationen zu sein. Der Arzt kommt in diesen Zusammenhängen als potenzieller Ansprechpartner kaum noch vor. Dabei ist die Psychotherapie eine ärztliche Behandlung, die mit großer Kompetenz von dazu weitergebildeten Ärzten durchgeführt wird. Das muss wieder in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt werden, weil diese Kompetenz der Ärzteschaft sonst auf Dauer abgesprochen wird.

Ein damit i n engem Zusammenhang stehendes Problem ist das Bedürfnis der Patienten nach mehr ärztlicher Zuwendung durch das Gespräch. Hier ist sicher ein Defizit in der Breite festzustellen, dem aus den oben genannten Gründen entgegengearbeitet werden muss. Die heutigen Rahmenbedingungen sind aber nicht geeignet, die psychosomatische Kompetenz zu fördern. Auch wenn eine adäquate Honorierung derzeit nicht absehbar ist, ist es aber ein Fehler, diesen Teil der ärztlichen Therapie "kampflos" anderen Professionen zu überlassen.

In allen Weiterbildungsgebieten ist psychosomatische Kompetenz gefordert. Daher werden die Ärztekammern aufgefordert, für alle Gebiete niederschwellige Fortbildungsangebote zu schaffen, um die ärztliche Gesprächsführung auch bei der Ärzteschaft zu halten.