VI – 100 Positionspapier "Interprofessionalität in der Medizinischen Ausbildung" der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd)

Vorstandsüberweisung

Der Entschließungsantrag von Frau Kulike (Drucksache V I - 100) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Der 115. Deutsche Ärztetag 2012 unterstützt das grundsätzliche Anliegen im nachfolgend zitierten Positionspapier der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) " Interprofessionalität in der Medizinischen Ausbildung", beschlossen am 18.06.2011 in Tübingen:

"Einleitung:

Das Gesundheitssystem ist einem stetigen Wandel unterlegen. Neue Anforderungen, auch bedingt durch den demografischen Wandel, führen zur Erweiterung von Aufgabengebieten bestehender Berufe im Gesundheitssystem und zur Etablierung neuer Berufsfelder. Damit einher geht die Neu- und Umverteilung von Kompetenzen. Diese muss patientenzentriert geschehen, und die Patientensicherheit muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein. Diesem Thema hat sich die bvmd schon 2007 gewidmet und das Positionspapier "Kooperation und Kompetenz" verabschiedet.

Auf Grund der aktuellen Entwicklungen soll mit diesem Positionspapier zu einzelnen Sachverhalten genauer Stellung bezogen werden.

Haupttext:

Interprofessionalität in der medizinischen Ausbildung

Die bvmd sieht großen Verbesserungsbedarf in der interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Um diese Zusammenarbeit zu verbessern und bestehende Vorurteile so früh wie möglich abzubauen, soll Interprofessionalität schon in der Ausbildung verwirklicht werden. Dazu kann das Konzept des Cooperative Learning verwendet werden, welches sich dadurch auszeichnet, das Lernen im Team zu fördern.

Denkbare gemeinsame Lehrveranstaltungen für Mediziner und Auszubildende bzw. Studierende anderer Gesundheitsfachberufe wären beispielsweise:

 

1. Das Erlernen grundlegender praktischer Fähigkeiten in der Notfallmedizin

2. Fallbeispiele, an Hand derer das Überbringen schlechter Nachrichten oder der Umgang mit Fehlern trainiert wird

3. Erlernen grundlegender praktischer Fertigkeiten, die für Pflegepersonal und Ärzte gleichermaßen wichtig sind (z. B Verbands- und Gipskurse)

Das Lehrpersonal sollte dabei aus unterschiedlichen Berufsgruppen stammen.

Bei der Etablierung interprofessioneller Lehrveranstaltungen sollte darauf geachtet werden, dass sie curricular verankert und dem Kenntnisstand der Teilnehmer angepasst sind. Da Prüfungen das Lernverhalten steuern, ist es wichtig, dass die in den interprofessionellen Lehrveranstaltungen vermittelten Kompetenzen prüfungsrelevant sind.

Die interdisziplinären Veranstaltungen sollen im Laufe des Studiums an Komplexität zunehmen. Neben praktischen Fähigkeiten und theoretischem Wissen muss auch die Kommunikationskompetenz gestärkt und den Studenten eine positive Grundhaltung zur Interprofessionalität vermittelt werden."