VI – 23 Künftige Versorgung sichern - ärztlichen Nachwuchs intensiv fördern!

Entschließung

Auf Antrag von Herrn Dr. Lücke, Herrn Dr. Reinhardt, Frau Haus, Herrn Dr. Lipp, Herrn Dr. Lutz, Frau Köhler, F rau Dr. Friedländer und Herrn Dr. Baier (Drucksache V I - 23) fasst der 115. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 115. Deutsche Ärztetag 2012 fordert die Bundesländer auf, eine ausreichende Anzahl an Medizinstudienplätzen zu schaffen, um die ambulante und stationäre Versorgung auch künftig auf dem im weltweiten Vergleich hohen Qualitätsniveau sicherstellen zu können und ihren Investitionsverpflichtungen bei den stationären Einrichtungen zur Patientenversorgung für ei ne Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen nachzukommen.

Ergänzend sind Krankenhausträger und Ärztekammern aufgefordert, die rechtlich teilweise bedenklichen Bedingungen für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung nachhaltig zu verbessern, um die junge Ärztegeneration in der kurativen Medizin in Deutschland zu halten. Dazu gehören die Einhaltung arbeitsrechtlicher Bestimmungen, flexible Arbeitszeitmodelle, moderne Lehrkonzepte, bundeseinheitliche Weiterbildungsregelungen und ei ne stärkere Verankerung der Weiterbildung im Berufsrecht.

Begründung :

Die Zahl der Studienabsolventen reicht langfristigen Erhebungen und Prognosen zufolge nicht aus, den aufgrund der Altersentwicklung zu erwartenden Rückgang kurativ tätiger Ärztinnen und Ärzte auszugleichen. Die Absolutzahl der Absolventen ist dabei irreführend, da sie der Entwicklung in der Geschlechterstruktur, den Erwartungen der jungen Ärztegeneration an die Work-Life-Balance und dem medizinischen Fortschritt, der Subspezialisierungen forciert, i n keiner Weise Rechnung trägt.

Eine erfolgreiche Nachwuchsförderung muss sich auf eine spürbare Verbesserung des Studiums (Praxisorientierung) sowie auf spätere Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen konzentrieren. Während sich weniger als drei Viertel der Erstsemester später auch bei einer deutschen Ärztekammer melden (18 Prozent beenden ihr Studi um nicht, weitere zehn Prozent werden nach dem erfolgreichen Studienabschluss nicht kurativ tätig; Quelle: KBV-Arztzahlstudie 2010), sind viele junge Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung mit den Arbeitsbedingungen sehr unzufrieden. Die wichtigsten Gründe für den Ausstieg aus der kurativen Versorgung sind die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, schlechte Arbeitsbedingungen, unattraktive Arbeitszeiten (häufiger Bereitschaftsdienst) und ei ne als dafür zu gering empfundene Bezahlung (Quelle: Ramböll-Gutachten 2004). Da diese Punkte sowohl Ursache als auch Symptome des zunehmenden Ärztemangels sind, muss hier schnellstmöglich und nachhaltig gegengesteuert werden, um die daraus resultierende Abwärtsspirale zu stoppen.