VI – 22 Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte an Kliniken verbessern!

Entschließung

Auf Antrag von Herrn Dr. Baier, Herrn Dr. Reinhardt, Frau Haus, Herrn Dr. Lipp, Herrn Dr. Lutz, Herrn Dr. Lücke, Frau Köhler und Frau Dr. Friedländer (Drucksache VI - 22) fasst der 115. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 115. Deutsche Ärztetag fordert die Krankenhausträger auf, die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im Allgemeinen und in der Weiterbildung im Besonderen nachhaltig zu verbessern und sich nicht zuletzt auch in diesem Sinne ihrer Verantwortung dafür zu stellen, den Arztberuf für junge Menschen attraktiv zu gestalten, um die künftige Patientenversorgung in Deutschland zu sichern.

Gemeinsam mit der Ärzteschaft sind Konzepte zu entwickeln, die es ermöglichen, individuelle Arbeitszeitmodelle mit planbaren Arbeitszeiten zu entwickeln, die eine Work-Life-Balance ermöglichen. Dabei ist unter anderem Folgendes zu berücksichtigen:

  • Strukturierte mittelfristige Dienstplanung mit ausreichendem Vorlauf
  • Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten in Teilzeit
  • Flexibilisierung der Tagesarbeitszeit
  • Möglichkeit, während der Elternzeit an Fortbildungen und Seminaren teilzunehmen
  • Nothilfe bei Betreuungsengpässen durch Zusammenarbeit mit Familienservice oder Tagesmutter
  • Reduktion von überflüssiger Bürokratie
  • Verhinderung einer ökonomischen Dominanz der Patientenversorgung

Begründung:

Nur dort, wo akzeptable Rahmenbedingungen und ein den Anforderungen an die ärztliche Weiterbildung angemessenes Arbeitsumfeld vorhanden sind, wird es gelingen, den ärztlichen Nachwuchs auch in der Patientenversorgung zu halten und dessen Abwanderung ins Ausland oder in andere Berufsfelder zu verhindern.

Eine bessere Familienfreundlichkeit an den Kliniken dient der Bindung des ärztlichen Nachwuchses auch nach der Weiterbildung. Kindertagesstätten, die den Dienstzeiten angepasste Betreuungszeiten bieten, können einen wesentlichen Beitrag leisten, um das der ärztlichen Tätigkeit am Krankenhaus immanente Maß an Flexibilität zu ermöglichen.

In diesem Sinne si nd die Arbeitgeber auch gefordert, Dienstpläne frühzeitig aufzustellen und Bereitschaftsdienste rechtzeitig anzuordnen.

Auch darf der Ärztemangel nicht durch ein Übermaß an Überstunden kompensiert werden. Diese wiederum müssen korrekt dokumentiert werden, sodass sie auch tatsächlich vergütet bzw. in Freizeit ausgeglichen werden.