VI – 79 Respektvoller Umgang mit Patienten nach einem Zwischenfall

Entschließung

Auf Antrag von Herrn Dr. Jonitz, Herrn Dr. Wyrwich MBA, Herrn Dr. Albrecht, Herrn Dr. Bobbert, Herrn Dr. Gehle, Herrn Dr. Dehnst, Herrn Dr. Thierse und Herrn Dr. Fabian (Drucksache V I - 79) fasst der 115. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Befragungen und Studien zeigen, dass Patienten grundsätzlich großes Verständnis für die spezifischen Belastungen des Klinikpersonals haben. Zu Recht erwarten sie aber auch, dass Fehler und mögliche Folgen derselben offen zugegeben werden und mit den Betroffenen in angemessener, respektvoller und zugewandter Form umgegangen wird.

Nicht selten befinden sich Ärztinnen und Ärzte in einem für sie unlösbaren Spannungsverhältnis zwischen Patientenwünschen einerseits und den Interessen der Krankenhausträger und Haftpflichtversicherer andererseits. Solange eine Entschuldigung bzw. ein Schuldeingeständnis des Arztes von den Versicherern als Obliegenheitsverletzung angesehen wird und zum Verlust des Versicherungsschutzes in der Berufshaftpflicht führen kann, bleiben die Möglichkeiten eines offenen und vertrauensvollen Umganges mit Patienten nach einem Behandlungszwischenfall begrenzt.

Der 115. Deutsche Ärztetag 2012 fordert deshalb alle Beteiligten auf, gemeinsam nach konstruktiven und angemessenen Problemlösungsmöglichkeiten zu suchen. Beispiele aus den USA zeigen, dass der Aufbau einer Vertrauenskultur ("Sorry Works") sowohl Patienten als auch den Ärzten zugutekommt und die Position des Krankenhauses nicht schwächt, sondern eher stärkt.