VI - 84 Für ehrliche Diskussionen statt polemischer Budgetierung operativer Eingriffe

Vorstandsüberweisung

Der Entschließungsantrag von Herrn Werner (Drucksache V I - 84) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Der medizinische Fortschritt ermöglicht auch i n der operativen Orthopädie gerade für ältere und alte Patientinnen und Patienten immer mehr Therapiechancen. Diese Entwicklung schlägt sich natürlich auch i n der Statistik nieder. Insbesondere die Zahl der Knie- und Hüftoperationen ist auch deshalb gewachsen.

Doch die aktuelle Diskussion i n der Öffentlichkeit um die gestiegenen operativen Leistungen in der Orthopädie zeigt erneut, dass die Politik nicht gewillt ist, den tatsächlichen Ursachen hierfür auf den Grund zu gehen und echte Lösungen aufzuzeigen. Stattdessen bringt die Politik ei ne polemische Budgetierung operativer Leistungen ins Spiel. Diese bedarfsgerechte Ressourcenzuordnung fordert die deutsche Ärzteschaft seit Langem. Vorreiter hierfür war der frühere Bundesärztekammer-Präsident Professor Dr. Jörg-D. Hoppe während des 112. Deutschen Ärztetages 2009 i n Mainz. Hoppe stellte das unbegrenzte Leistungsversprechen der Politik i n Frage und forderte dazu auf, mit ei ner Rangfolge medizinischer Leistungszuwendungen der Mittelknappheit Herr zu werden. Dieser Diskussion hat sich die Politik bis heute jedoch verweigert.

Fakt ist: Ärztinnen und Ärzte brauchen mehr Handlungsspielräume und auch ei ne adäquate und kostendeckende Honorierung konservativer Leistungen.  Auch sollten behandelnde Ärztinnen und Ärzte i n ihrer Therapiefreiheit weniger durch Budgets und Regresse bedroht werden.

All dies kann helfen, Schwächen im System zu lindern.

Tatsache ist jedoch, dass Ärztinnen und Ärzten Folgendes zu schaffen macht:

  • die immer stärker werdende Verwaltungsarbeit im Gesundheitswesen
  • die zunehmende Ökonomisierung und Industrialisierung
  • die Budgetierung und extreme Unterbezahlung konservativer Behandlungsformen
    (wie z. B. in der Praxis direkt abgegebene physikalische Therapie)

Diese physikalische Therapie unter Aufsicht und Verantwortung des Arztes, z. B. apparativ oder durch bei i hm angestellte Physiotherapeuten, kann - obwohl kostengünstig und optimal verzahnt - so nicht mehr abgegeben werden.