Medienecho zum 116. Deutschen Ärztetag in Hannover

Der 116. Deutsche Ärztetag vom 28. bis 31. Mai 2013 in Hannover war ein mediales Top-Ereignis. Mehr als 170 akkreditierte Journalisten berichteten vor Ort über die Themen des Ärztetages. Die Pressestelle veröffentlichte 15 Pressemitteilungen aus Hannover, die von regionalen und überregionalen Medien aufgegriffen wurden. Zudem wurden die Eröffnungsveranstaltung sowie die Plenarsitzungen von der Pressestelle über den Internetdienst „Twitter“ in Echtzeit begleitet. Journalisten und andere Interessierte konnten so die wichtigsten Statements und Beschlüsse in einem Liveticker unmittelbar mitverfolgen. Insgesamt erschienen in den Printmedien etwa 200 Berichte und Kommentare zum Deutschen Ärztetag. Die Medienanalyse einer beauftragten Agentur ergab, dass Fernseh- und Hörfunkanstalten bundesweit  in mehr als 1100 Beiträgen vom Deutschen Ärztetag berichteten.

Pressearbeit im Vorfeld des Ärztetages

Das große Medieninteresse deutete sich bereits einige Wochen vor der Ärztetagseröffnung an. Nachdem die Bundesärztekammer (BÄK) im April im Rahmen eines Pressehintergrundgespräches mit ausgewählten Journalisten die Reform-Skizze der BÄK „Anforderungen zur Weiterentwicklung des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland“ vorgestellt hatte, lud sie am 15. Mai zu einer Vorab-Pressekonferenz zum Deutschen Ärztetag in den Berliner Albrechtshof. Vor rund 30 Medienvertretern skizzierten Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery sowie BÄK-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rochell die Themen des Ärztetages.

Die Schwerpunkte des Ärztetages waren auch Themen zahlreicher Interviews im Vorfeld des Delegiertentreffens, die der BÄK-Präsident unter anderem mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, der Rheinischen Post und dem Deutschen Ärzteblatt führte. Ein weiteres Mal informierte die BÄK am Samstag vor der Ärztetagseröffnung in einem Pressegespräch in Hannover lokale Medien, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung, dpa Hannover und NDR 2, über die anstehenden Beratungen des Ärztetages.

Schwerpunktthema „Finanzierungskonzept“

Von der Eröffnungsveranstaltung und von den Plenarsitzungen des Ärztetages berichteten Printmedien bundesweit, darunter alle überregionalen Tageszeitungen. Erste Bilder aus Hannover und Interviews mit Vertretern der Bundesärztekammer sendeten am Tag der Eröffnungsveranstaltung das ZDF-Morgenmagazin und die 11.00 Uhr-Sendung der ARD-Tagesschau. Phoenix übertrug Teile der Eröffnungsveranstaltung live. Weitere Berichte folgten am selben Tag unter anderem in der Tagesschau, den Tagesthemen sowie in ZDF-heute und im ZDF-heute Journal. Auch in den folgenden Tagen berichteten Teams öffentlich-rechtlicher und  privater Fernsehsender sowie zahlreiche Hörfunkstationen, darunter Deutschlandfunk, die NDR-Wellen, der Bayerische Rundfunk, WDR 5 und das rbb-Inforadio  kontinuierlich über den Deutschen Ärztetag.

Die Berichterstattung von der Eröffnungsveranstaltung am Folgetag  dominierten erwartungsgemäß zwei Themen – die von der Bundesärztekammer vorgelegte Reform-Skizze, auf die der BÄK-Präsident in seiner Eröffnungsrede explizit einging, sowie die Rede von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr vor den Delegierten und Gästen des Ärztetages. Dabei wurde insbesondere die einhellige Kritik von Ärzteschaft und Regierung an den Bürgerversicherungsplänen der Opposition thematisiert.

„Die Ärzte halten die von der Opposition geplante Bürgerversicherung für gefährlich. Sie haben Recht. Mit dem Einheitssystem droht die medizinische Versorgung schlechter und teurer zu werden“, kommentierte die Tageszeitung „Die Welt“ in ihrem Leitartikel unter der Überschrift „Gesunder Wettbewerb“. Und weiter: „Der medizinische Fortschritt ist ebenso wie die längere Lebenserwartung ein Kostentreiber. Dazu passt es nicht, alle Menschen zu Kassenpatienten zu machen.“  Die Frankfurter Allgemeine Zeitung konstatierte: „Zwar wird das Bürgerversicherungssystem mehr einnehmen, weil die bisher Privatversicherten Beiträge einzahlen und auch ein Steuerzuschuss gewährt werden soll. Doch die Kosten werden weiter steigen: Nicht nur, weil die Zahl der Versicherten um die bisher privat Abgesicherten steigt. Die Befürworter der Bürgerversicherung haben auch große Pläne für Ausgabensteigerungen im Gesundheitssystem und den Wegfall von Eigenbeteiligungen der Patienten. Auch das muss kompensiert werden.“

Die Süddeutsche Zeitung wies in ihrem Beitrag unter der Überschrift „Ärzte machen Front gegen Rot-Grün“ darauf hin, dass die Ärzteschaft bei Einführung der Bürgerversicherung Einschränkungen des  medizinischen Angebots befürchte. „Die Versicherten müssten dann für einen Teil der Behandlungen Zusatzversicherungen abschließen. Montgomery hat die Bürgerversicherung deshalb als `Turbolader für die Zweiklassen-Medizin´ bezeichnet.“ In einem Kommentar der Zeitung heißt es weiter: „Die von versammelter Opposition geforderte Umstellung [auf eine Bürgerversicherung] würde das gesamte System durchschütteln und kaum absehbare Konsequenzen für die Medizin haben.“

Der Kommentator der Neuen Osnabrücker Zeitung begrüßte die auf dem Deutschen Ärztetag angestoßene Debatte über die künftige Finanzierung des Krankenversicherungssystems. „Die Patienten wissen nun lange vor der heißen Wahlkampfphase, woran sie in der Gesundheitspolitik sind. Die Diskussionen in Hannover haben die Positionen klarer gemacht.“

Spahn: „Vorschläge gehen in die richtige Richtung.“

Auch sonst war die Resonanz der Medien und der Politik auf die von der Bundesärztekammer angestoßene Debatte über die künftige Ausgestaltung des  Krankenversicherungssystems groß. Am Tag der Ärztetagseröffnung befassten sich die 20.00 Uhr-Sendung der ARD-Tagesschau und die 19.00 Uhr heute-Nachrichten im ZDF eingehend  mit dem Reform-Konzept der BÄK und stellten einzelne Komponenten des Modells in Filmbeiträgen graphisch dar. „Wirbel um neuen Krankenkassen-Beitrag“, betitelte die Bild-Zeitung einen Tag später ihren Bericht. „Ärztepräsident Montgomery will die Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen auf maximal 170 Euro pro Monat für die Versicherten senken. […] Kassenchefs und Politiker begrüßten den Vorstoß“, hieß es in dem Artikel. Das Blatt zitierte unter anderem Jens Baas, Vorsitzender der Techniker Krankenkasse, mit den Worten: „Viele Ansätze der Ärzteschaft sind interessant. Ich würde mir wünschen, dass sie nun auch in eine Diskussion mit uns darüber einsteigen.“ Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte in Bild: „Die Vorschläge gehen in die richtige Richtung.“

Bild: „Gabriel poltert gegen Ärztetag“

Die Opposition hingegen erteilte den Plänen der Ärzteschaft erwartungsgemäß eine Absage. Prominentester Kritiker des Ärztekonzeptes war SPD-Chef Sigmar Gabriel. „Es ist beschämend, dass eine privilegierte Gruppe von gutverdienenden Fachärzten die ganze Ärzteschaft für ihre Lobbyinteressen in Haftung nimmt“, sagte er gegenüber Bild. Millionen Patienten wüssten, dass das Gesundheitssystem „krank“ sei. Die Therapie könne aber nicht die Kopfpauschale „à la Montgomery und CDU sein, sondern nur die rot-grüne Bürgerversicherung“. Flankiert wurden seine Aussagen von Prof. Dr. Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag: „Montgomery reitet ein totes Pferd, denn die PKV wird nicht überleben.“ Selbst wenn es keine Bürgerversicherung geben werde, habe die PKV keine Chance mehr.

Ebenfalls auf  Interesse der Medien stießen die weiteren Themen des Ärztetages, die am Rande der Plenarsitzungen in Pressekonferenzen vor-, bzw. nachbereitet wurden. Selbst Themen, die gemeinhin eher für die Fachöffentlichkeit von Interesse sind, spiegelten sich in der Berichterstattung der Publikumsmedien wieder. So wurde die Ärztetagsdebatte über die Stärkung der ambulanten Weiterbildung von der Tagesschau (30.05.) zum Anlass genommen, den Mangel an niedergelassenen Ärzten in strukturschwachen Regionen zu thematisieren. Der Bericht wurde in der Folge auch vom Digitalsender der ARD „Tagesschau24“ übernommen.

„Da muss man Prioritäten setzen. Was sich in allen möglichen Situationen des Alltags so leicht dahin sagt, das wird für Ärzte immer mehr zu einer ernsten Angelegenheit. Denn in Zeiten knapper Kassen müssen sie entscheiden, welcher Patient, welche Behandlung bekommt.“ So lautete die Anmoderation eines Tagesschau-Beitrages zu den Zwischenergebnissen der Arbeitsgruppe Priorisierung, die auf dem Deutschen Ärztetag vorgestellt wurden. Der Beitrag lief ebenfalls in den Nachrichtensendungen des ARD-Hauptprogramms als auch auf Tagesschau24.

Medien thematisieren gesundheitliche Auswirkungen von Armut

Besondere Aufmerksamkeit bei Printmedien sowie bei Fernseh- und Hörfunkstationen erzeugte das Ärztetagsthema „Gesundheitliche Auswirkungen von Armut“.  So berichtete die Tagesschau am 29.05. in mehreren Ausgaben des Tages über diese Problematik und die entsprechenden Beratungen auf dem Ärztetag. Aufgegriffen wurde das Thema am selben Tag unter anderem  auch vom NDR-Fernsehen und verschiedenen Hörfunksendern. „Arme sterben früher: Ärzte fordern mehr Prävention“, titelte die Passauer Neue Presse (30.05.) und zitierte Prof. Olaf von dem Knesebeck, der auf dem Ärztetag ein Gastreferat zu diesem Thema hielt. „Die Delegierten des Deutschen Ärztetages forderten, die gesundheitliche Förderung sozial benachteiligter Menschen zu stärken“, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung. Unter der Überschrift „Geld macht alt“ ergänzte die Süddeutsche Zeitung: „Die Ärzte forderten die Bundesregierung […] unter anderem dazu auf, mehr Gesundheitsprogramme wie etwa Kochkurse an Schulen und in Kindertagesstätten anzubieten, weil diese Kinder aller Schichten erreichten. Dafür müsse aber der öffentliche Gesundheitsdienst überall in Deutschland erhalten oder sogar ausgebaut werden.“

Zahlreiche Entschließungen des Tagesordnungspunktes „Tätigkeitsbericht“ fasste die Pressestelle zum Ende des Deutschen Ärztetages in zwei Abschluss-Pressemitteilungen zusammen, die wortgleich in das Internetangebot des Deutschen Ärzteblattes übernommen und auch von der Tagespresse aufgegriffen wurden.