Montgomery: "Wir wollen aus dem Generalverdacht raus"

Berlin, 21.05.2013

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat Pläne der Politik zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen begrüßt und eindeutige Regelungen für alle Akteure gefordert.  „Wir Ärzte wünschen uns einen klaren Katalog, aus dem hervorgeht, was unter Bestechung und Korruption fällt und was nicht“, sagte er in einem Interview mit der Rheinischen Post (18.05.2013).  Es könne nicht darum gehen, die Annahme eines Kugelschreibers unter Strafe zu stellen. Der BÄK-Präsident betonte: "Wir wollen aus dem Generalverdacht raus.“ Die Mittel des Berufsrechts reichten nicht aus, um alle Fälle von vermuteter Korruption zu ermitteln. "Deswegen fordern wir eine klare, präzise und ausgewogene Regelung im Strafrecht." Wichtig sei, dass nicht nur die Ärzte, sondern alle im Gesundheitswesen Tätigen von einem Anti-Korruptionsgesetz erfasst werden. „Auch die, die Bestechungsversuche unternehmen, müssen belangt werden können.“

Mit Blick auf den 116. Deutschen Ärztetag vom 28. bis 31. Mai in Hannover sagte Montgomery, die Delegierten würden den wachsenden ökonomischen Druck auf den Alltag der Ärzte thematisieren. "Außerdem werden wir ein klares Konzept zur Finanzierung des Gesundheitssystems vorlegen." Der Einführung einer Bürgerversicherung erteilte der BÄK-Präsident hingegen eine klare Absage. Eine Einheitsversicherung würde  langfristig die Versorgung deutlich verschlechtern. Es ließe sich nicht verhindern, dass sich neben einem einheitlichen gesetzlichen System auch private Angebote weiter etablieren würden. „Das wäre dann der Turbolader in die Zwei-Klassen-Medizin. Die Bürgerversicherung ist ein Einheitsbrei, der die Versorgung verschlechtert.“, so Montgomery.

Zudem sprach sich der Ärztepräsident für mehr individuelle Eignungstests für den Zugang zum Medizinstudium aus. "Wir brauchen Assessment-Center, in denen die Anwärter nach Eignung ausgesucht werden können", sagte Montgomery. Er kritisierte das bisherige Numerus Clausus Verfahren, dass die Auswahl "allein nach der Abiturnote" treffe. Angesichts von Kosten eines Studiums von mehr als 200 000 Euro wäre ein individuelles Auswahlverfahren "eine sinnvolle Investition", betonte der Ärztepräsident.

Vollständiger Wortlaut des Interviews